Mondiali Antirazzisti 2006

Montecchio vom 12.-16.07.2006

Intro

Nach mehrjähriger Startzeit gab es für Entdeckungsreisender.de die erste „Drei – Mann – Berichterstattung, die später sogar zu einer „Mehr – Mann und Frau – Berichterstattung“ ausgedehnt wurde. Zum x-ten Mal verschlug es unseren Tross ins norditalienische Montecchio zur kommerzfreien Antirassistischen Fußball – WM. Wieder kickte Traktor Yolanda in Italien und die Leute waren super drauf. Die Badestelle stellte ganz große Herausforderungen an die Entdeckungsreisenden. Zuvor muss aber bemerkt werden, dass zum 1. Mal in unserem Leben der Flug schon 48h vor Start um gute 3h nach hinten, auf 9:35 verschoben wurde. Die Fluggesellschaft versüßte unseren Vielfliegern (Viel- in Bezug auf Anzahl) das Malheur mit einem 8 € Gutschein für Speis und Trank. Ach, dieser Tag sollte zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. Ohne Luftlöcher, Flugzeugbomben oder irgendwelchen Notlandungen erreichten wir den Flughafen Mailand – Bergamo. Wir mieteten uns klimatisierte Kleinwagen und waren um halb 4 am vereinbarten Treffpunkt. Das ganze wurde noch getoppt. Zum 1. Mal war das Gemeinschaftszelt von Knecke und Jens in perfekter Form schon errichtet. Und so wurde nach Begrüßung, Zeltaufbau und Dusche als Belohnung für den weiten Weg ein Becher frisch gezapftes Blondes gereicht. Doch dabei blieb es nicht. Es kam auch noch zu der Schwester von diesem blonden Miststück. Der Rest des Tages wurde entspannt, am Tümpel gebadet und sich den klimatischen Veränderungen angepasst. Auch wollten wir einem möglichen Jetlag vorbeugen. Wir glaubten, das sei das Paradies. Nach einem dreistündigen Training mit eingebautem Testspiel und kurzem Blick auf die Bühne wurden die Gedanken gebündelt und in Richtung Schlafsack in bunte Bilder formatiert. Ein wunderschöner Blick auf den Mond war für alle das „Gute Nacht Küsschen“.

Kurz nach 9 begann der neue Tag ohne nennenswerte Vorkommnisse. Wie immer wurde fürstlich zum Frühstück geladen und das wenige Geschirr und Besteck sowie die raren Sitzgelegenheiten „brüderlich und schwesterlich“ geteilt. Leider war die Auswertung des restlichen Abends oder Nacht relativ kurz, da irgendwie alle recht müde und abgeschlagen die Koje früh bevorzugten. Außer Pit und Eva, die „mal Ramazotti trinken“ waren. Dann gings weiter mit einem Einkaufsbummel ohne Eile, durchtrainierte braune Beine, noch ’n Kippchen noch ’n Bier – 15.00 Uhr – Start ins Turnier.

Traktor Yolanda vs. Republica Internationale (Mixteam aus Leeds) – Endstand: 0:3

Jens nach dem Spiel

In Vorrundengruppe A (die einzige Todesgruppe des Turniers) erwartete uns zum ersten Spiel ein altbekannter Gegner. Republica Internationale aus Leeds – eine schwer bespielbare Mannschaft, hinten kompakt und vorne stets gefährlich. Umso überraschender verliefen die ersten Minuten, in denen unser Team das Spiel bestimmte und sich auch gute Torgelegenheiten erarbeitete jedoch vergaß, 1 bis 2 Buden zu machen. Und wer vorne versemmelt wird ja bekanntlich hinten bestraft und genau so kam es auch. Jens fälschte im Übereifer einer Abwehraktion eine Flanke mit der Hand unhaltbar ins eigene Tor. Keeper Andi war machtlos. 1:0 für Leeds und das Spiel war praktisch entschieden. Denn im weiteren Spielverlauf ging aus unerfindlichen Gründen die Ordnung in den eigenen Reihen verloren und Torchancen blieben Mangelware. Der Gegner nutzte eiskalt die nadelstichartig vorgetragenen Konter zum Torerfolg und erhöhte auf 2:0 und zu guter Letzt auf 3:0. Mehr gibt’s zu diesem Spiel auch nicht zu berichten. Gut angefangen, dann kam Jens und zerstörte den Traum vom Finale. Aber egal. Niederlagen machen härter und beim nächsten Mal läuft’s besser.

Traktor Yolanda vs. Körnerfresser (Mixteam aus Norddeutschland) – Endstand: 4:0

Nächster Gegner waren die „Always Ultras“ (was für ein cooler Name), die allerdings aus uns unbekannten Gründen passen mussten und somit rückte als Ersatz das Team der Körnerfresser nach. Die kamen erstmal zu spät und hatten auch keinen Vereinswimpel zum Tauschen, bekamen von uns aber natürlich trotzdem und wie auch alle anderen Gegner Fluschis mit viel Liebe und Hingabe auf CD gegossene Highlights der Musikgeschichte überreicht. Dann rollte endlich der Ball und die Ökos wurden Korn für Korn an die Wand gespielt. Unserem Team war sichtlich anzumerken, dass die Niederlage im Eröffnungsspiel lediglich ein Ausrutscher auf dem steinigen Weg zum Weltmeister war. Ein in jeglicher Hinsicht und auch in dieser Höhe verdienter Sieg, der durch eine vorbildliche geschlossene Mannschaftsleistung errungen wurde. Da hätten so einigen Bundestrainern mit Sicherheit die Tränen in den Augen gestanden. Aber genug der Lobeshymnen, weil die Körnerfresser leichte Beute waren und Schwärmerei sowie übertriebenes Eigenlob in bierseliger Runde durchaus den Blick für die Realität verzerrt und es dann meistens auch ein böses Erwachen im nächsten Spiel gibt.

Traktor Yolanda vs. Polisportiva Zelig (Mixteam aus Reggio Emilia) – Endstand: 1:4

Deutsch-Italienische Duelle hatten schon immer Ihre Brisanz und wenn es um die Wurst geht waren die Spaghettis immer vorne. Und auch diesmal setzte sich diese Tradition leider fort. Es war eine Kopie des ersten Spiels. Den Gegner in der Anfangsphase fest im Griff, wurden mehrere 100%ige insbesondere von den Sportsfreunden Ingo und Pit leichtfertig in die Wolken gedroschen. Die beiden haben offensichtlich ihren sportlichen Zenit überschritten. Zur Strafe klingelte es dann 4x im eigenen Kasten. Die alten Hasen und Häschen aus Reggio spielten abgeklärt, standen defensiv sicher und vorne wurde nicht lange gefackelt. Und unser Team machte dieselben Fehler wie einst gegen das Team aus Leeds. Hurrafußball mit der Brechstange. Wenigstens wurde uns der Ehrentreffer gegönnt. Der Sieg für die Lokalpatrioten war verdient und wurde zur Weiterverwendung in zukünftigen Printausgaben der Fußballgeschichte mit einem gemeinsamen Mannschaftsfoto auf Zelluloid gebannt.

Traktor Yolanda vs. Summer of Resistance (Mixteam mit ca. 90%igem Frauenanteil aus Hamburg) – Endstand: 6:0

Im 4.Gruppenspiel kreuzten wir mit Summer of Resistance die Klingen. Bis auf den Torwart hatten wir es mit der schwedischen U21 Nationalmannschaft zu tun. Unsere männlichen Sportsfreunde ließen sich jedoch dadurch nicht ablenken. Rein sportlich war das Spiel ein Spaziergang, da der Gegner schwach war und unser Traktorteam sein Pensum professionell abspulte und verdient 3 Punkte holte. So weit so gut. Einen faden Beigeschmack bekam die Partie jedoch, weil es Ingo beim Stand von 4:0 oder gar schon 5:0 mit einem Gewaltschuss noch mal im gegnerischen Kasten krachen ließ. Es folgten kontroverse Meinungen des Gegners und auch aus dem eigenen Team. Muss man denn bei diesem Spielstand das klar unterlegene Damenteam in die Steinzeit zurückschießen und oder schaltet man einen Gang zurück und nimmt sich des Fairness- und Spaßgedanken an? Der Gegner warf uns pure Berechnung bei der Aufbesserung des eigenen Torverhältnisses vor und Denunzianten aus dem eigenen Team argumentierten mit der sozialen Ader. Meiner bescheidenen Meinung nach war es richtig, den Ball auch bei diesem Spielstand ins Tor zu dreschen. Inhalt der Sportart Fußball ist es nun mal, Tore zu erzielen. Bei diesem Turnier steht das Fairplay an oberster Stelle, was absolut in Ordnung ist und von unserem Team auch grundsätzlich auf dem Rasen praktiziert wird, schließt für mich aber trotz alledem einen gesunden sportlichen Ehrgeiz nicht aus. Wenn ich Fußball spiele will ich weder ein 0:0 ermauern noch nach einer unglücklichen Niederlage mit Tränen in den Augen vom Platz schleichen. Des Gegners Netz muss wackeln und zwar mehrmals – das ist der Kick. Schon mal ein Tor geschossen? Nimm den besten Orgasmus den du je hattest, multipliziere ihn mit 1.000 und du bist noch nicht mal na dran. Frag Ingo – unsere launische Diva knipste in 5 Spielen insgesamt 6 Tore (= mind. 6.000 Orgasmen) und war somit unser treffsicherster Richtkanonier. Außerdem bin ich der Meinung, dass ein (fast) reines Damenteam, welches sich mit Männer- und Mixteams messen will, von vorn herein demütigende Niederlagen einkalkulieren muss. Wer dann mit der sportlichen Realität ein Problem hat, sollte sich entweder nur für das Damenturnier anmelden oder die Niederlagen am Tresen wegspülen und sich von Ingo die Kunst des Torschießens erläutern lassen.

Ingo und 3x Hristo

Ingo war übrigens die ganze Diskussion egal, der feierte sich selbst und sein Tor wie den eigenen Geburtstag. Ein Vollblutstürmer erster Kajüte – egoistisch, selbstherrlich und cholerisch. Erinnert irgendwie an den einstigen bulgarischen Superstar Hristo Stoichkov, nur dass bei Ingo die Goldschmuckimitate an Handgelenk und Hals fehlen. Steigt immer als Erster aus dem Mannschaftsbus. Beim Auflaufen gilt seine primäre Aufmerksamkeit den Fernsehkameras um sich dann im Spiel gekonnt in Szene zu setzen. Die Drecksarbeit in der Abwehr überlässt er anderen. Vorn ist er unschlagbar, ein eiskalter abgebrühter Hund mit eingebauter Torgarantie und privat ein Kumpeltyp. Wenn da nicht immer diese Disziplinlosigkeiten wären. Versteckte Fouls und Provokationen des Gegners. Spielt man ihm den Ball nicht vor die Füße, schreit er die Mitspieler an und beschwert sich mit abwertenden Gesten beim Trainer. Auf einer selbst inszenierten Pressekonferenz folgen dann Verbalattacken gegen die eigene Mannschaft, den Verein und die treuen Fans. Das ganze endet i.d.R. in einer Diskothek, wo er mit Familie und guten Freunden bis in die frühen Morgenstunden Samba tanzt und Wodka-Lemon bechert. Am nächsten Tag wird das Training geschwänzt, die Boulevardpresse deckt die nächtliche Diskotour auf, der Verein droht mit Suspendierung, Ingo akzeptiert die vereinsinterne Geldstrafe, entschuldigt sich in aller Öffentlichkeit und gelobt reumütig Besserung. So lieben wir unseren Rabauken. Seine Eskapaden machen ihn so menschlich und deswegen wird er auch immer einer von uns bleiben. Auf Ingo.

Traktor Yolanda vs. Polisportiva Antirazzista Assata Shakur Ancona (Mixteam aus Ancona) – Endstand: 3:2

Letztes Gruppenspiel und letzte Chance das Fünckchen Hoffnung auf die K.O. Runde noch zu erhalten. Dafür mussten 3 Punkte her. Und diese wurden mit Kampf, Einsatz, spielerischer Raffinesse, Schlitzohrigkeit und Glück erzwungen. Beim Stand von 2:1 und 3:2 drohte das Spiel zu kippen, die Traktorabwehr wankte, fiel aber nicht, auch weil hinten qualitativ hochwertiger Beton (B55) angerührt wurde. Tor Nr. 3 wurde per abgefälschte direkte Ecke erzielt. Ein probates Mittel auf engen Spielfeldern – den Ball einfach ins Strafraumgewühle scharf und halbhoch reindreschen, und egal ob Gegner oder eigenes Team, irgendeiner fälscht den Ball ins Tor ab und fertig ist die Laube. Klappt beim Breitensport in 5 von 10 Versuchen und wird seit Jahren von unseren Kleinfeldspezialisten erfolgreich angewendet. Kopfball- oder Volleytore nach Eckballflanken zu erzielen ist äußerst schwierig, weil der Strafraum eh mit Spielern voll und die Wahrscheinlichkeit somit geringer ist, dass butterweich geschlagene Flanken den richtigen Abnehmer finden. Deswegen immer rein ins Gewühle mit der Muffe.

Das Fazit

Führt man sich die blanken Zahlen vor Augen bleibt Bronze in der Todesgruppe mit 9 Punkten und 14:9 Toren aus 5 Spielen (3 Siege, 2 Niederlagen) und somit das Aus in der Vorrunde. Bester Torschützer war Ingo mit 6 Treffern. Keine Ahnung wer für die restlichen Tore verantwortlich ist. Viel mehr muss man an dieser Stelle die mannschaftliche Geschlossenheit würdigen, sowohl auf als auch neben dem Platz. Das „fußballfeenhafte“ an Traktor Yolanda ist nicht aus dem Reich der Fabeln entsprungen, sondern aus der Größe des Teams, das mit fabelhaften Sportlern – quasi magisch koordiniert – zwanzig ein- und auswechselnde Spielerfreunde über den Platz wirbeln lässt. Die Fans in den Rängen sind fasziniert – egal wie das Spiel ausgeht. Und weil es so schön war, ist und hoffentlich auch wieder sein wird hier die diesjährige Ahnengalerie: Andy the Kneip’ier und seine Frau, Anna-Clara, Bert the horse, Cattuso (Andys Sohn), EvaB the birdy, Fluschi MoG, Ingo abgestiegener Fussballgott, JanaP die den Ball auf der Fingerkuppe drehen lassen kann, Jason the Brainbug, Jens der Pole, Joey aufstrebender Fußballgott, Knecke die Stimme aus dem OFF, Nebi die sich weigernde Pressestimme, Pit der andere abgestiegene Fußballgott, Pohle Peil-O-Mat, Rainer, Ronja (Andys Tochter), Rücki unsere Spreewaldgurke, Tante Sandra, Schieke Antifa Hooligan und Weitze.

content by xxlfighter, Fluschi, Berte + Sandra, EvaB, Neby
pics by Berte, Fluschi, EvaB u. Knecke

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Leserkommentare

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xxlfighter
  Monday, 27-11-06 22:59
Danke für den Hinweis und bis zum nächsten Jahr.

Jan aus Oldenburg!!!
  Sunday, 26-11-06 18:38
Anmerkung zu der Herkunft der Körnerfresser: Diese kommen nicht aus dem Bayernlande sondern hoch aus dem Norden, nämlich aus Huntlosen und Oldenburg (Oldb)!