Es war wieder so weit und die Ferienzeit rückte auch für uns immer näher. Also schnappten wir uns die Landkarte und wählten uns einen Ort am Wasser aus, wo wir noch nicht waren.
Unsere Wahl fiel auf Holland. Zelten bei Frau Antje ist ja auch mal was ganz anderes.
Sofort suchte ich im Internet nach einem geeigneten Zeltplatz und wurde auch schnell fündig.
Duinrell sollte es sein, ein Campingplatz mit Erlebnispark und Spaßbad und so gut gelegen, dass man Rotterdam oder auch Amsterdam gut erreichen konnte. Die Kinder freuten sich riesig.
Als ich jedoch nach Fahrverbindungen suchte, wurde mir ganz anders. Natürlich gab es welche, aber die Preise, mein lieber Scholli. Da wir aber noch jemanden mitgenommen haben, der im Besitz eines Führerscheins war, mieteten wir uns ein Auto.
Auf nach Holland.
Das Wetter ist in diesem Sommer unberechenbar und so fuhren wir am 17.07. in Berlin schon bei Nieselregen los. Und mit jeden Kilometer, den wir gefahren sind, wurde der Regen stärker.
Als wir nach 5 Stunden die Niederlande erreichten, schafften die Scheibenwischer es nicht mehr.
In mein Hirn spielten sich Szenen ab, wie wir bei solch einem Regen das Zelt aufbauen sollten? Aber noch hatten wir ja zwei Stunden Fahrt durch die Niederlande vor uns, vielleicht bessert sich das Wetter ja noch. Und nach 7 Stunden Fahrt, sprach eine freundliche Stimme: “Sie haben ihr Ziel erreicht“. Was waren wir froh und es regnete auch im Moment nicht. Anmelden brauchten wir uns nicht. Da wir vorher gebucht und auch bezahlt hatten, konnten wir gleich durchfahren um unseren Platz zu suchen. Die Wege im Park sind sehr eng und überall Kinder, auch wenn wir uns nach dem Lageplan gerichtet hatten, fanden wir unseren Platz erst nach einer halben Stunde. Den Fahrer konnten wir in die Tonne kloppen, so fertig war der.
Unser erster Eindruck war positiv. Schnell bauten wir die Zelte auf, weil es schon wieder anfing zu regnen. War ich glücklich, als die Zelte standen, denn mittlerweile goss es in Strömen. Der Tag war gelaufen, wir aßen noch etwas und verkrochen uns in unseren Schlafsäcken.
Aber an schlafen war wenig zu denken. Es bisschen Regen ist ja okay, das hört man auch gerne, aber es schüttete die ganze Nacht wie aus Eimern und prasselte auf das Zelt ein. Dieses Dauergeräusch wurde irgendwann zu einer Nervenprobe. Laut Wetterbericht sollte es die ganze Woche regnen, aber ich traute diesem nicht und hoffte auf besseres Wetter. Naja.
Am nächsten Morgen standen einige mit Kopfschmerzen auf. Ich kontrollierte erst einmal das Zelt, und wie ich feststellen musste, hielt es dem starken Dauerregen nicht stand. Hier und da drang Wasser durch Nähte oder Reißverschlüsse. Na gut, die Dinger waren ja auch nicht für den Regenwald gedacht. Um bei dem Mistwetter nicht wie blöd im Zelt zu sitzen, entschieden wir uns nach Rotterdam zu fahren. Dort sollte es ja einen Bus (Splash Tour) geben, mit dem könnten wir ja dann fahren. Allein die Fahrt dorthin war eine Herausforderung und ohne Navi für uns undenkbar.
Parken war unmöglich und wenn, dann sehr teuer, da kommt man schnell auf 20 Euro bei 3-4 Stunden parken. Den Bus haben wir auch nicht gefunden, also machten wir eine Hafenrundfahrt, die auch günstiger war.
Als wir zurück zum Zeltplatz fuhren, besserte sich das Wetter zu meinem Erstaunen.
Mein Vorschlag, ich hole schnell noch ein paar Brötchen auf dem Platz und dann schauen wir uns den Erlebnispark an. Schnell Brötchen holen dauerte dann fast eine ganze Stunde, weil ich mich bei den vielen kleinen Wegen und Sackgassen verlaufen hatte.
Als wir dann den Park entdeckten, hob sich unsere Laune. Da war aber auch für jeden etwas dabei.
Achterbahn, Riesenrad, Schaukeln, Rutschen und und und.
Also das war schon schön, die Kinder konnten morgens aufstehen und brauchten nur wenige Schritte bis zu einem Karussell. Zum Klo musste man einen größeren Weg auf sich nehmen. Also das ist bis auf die Preise dort das Einzige, was ich bemängeln muss. Meine Güte so ein riesiger Park mit so vielen Standmöglichkeiten und nur 3 oder 4 Klos dort. Wobei das eine am Riesenrad ja Geld kostet, wegen der Besucher die nur in den Park gehen. Sauber waren sie und wurden am Tag mehrmals geputzt, aber leider immer durch männliche Mitarbeiter, was meine Mädels störte.
Aber wenn man nachts mal schnell auf Klo muss, muss man mindestens 150 Meter laufen um auf Klo gehen zu können. Zum Glück konnten man in dem Park auch Go-Karts ausleihen. Wir liehen uns zwei aus und ab sofort waren das unsere Klo-Karts.
Meine Hoffnung in Bezug auf das Wetter sollte belohnt werden, der Himmel riss auf und erste Sonnenstrahlen trafen uns. Unsere Klamotten im Zelt waren jedoch klamm und wollten nicht trocknen. Abends saßen wir gemütlich am Grill und ließen den Tag ausklingen.
Auch wenn es die Nacht wieder ohne Ende regnete, wurden wir am Morgen von der Sonne begrüßt.
Und diese blieb uns auch die nächsten zwei Tage treu. Somit nutzten wir die Tage für einen Standspaziergang oder auch Badeversuch. Auch wenn das Wasser nicht so kalt war, verging mir das Baden dort. Ich habe schon viele Strände gesehen und der Strand hier war ja auch sehr schön und gepflegt, aber das Wasser trug so viel Sand mit sich, dass man, auch wenn man nur knöcheltief stand, seine Zehen nicht mehr sah. Um zu baden möchte ich wenigstens ein wenig sehen und einen Fisch oder eine Qualle nicht erst bei Kontakt bemerken.
Ja die Tage waren sehr schön und immer wenn wir zum Zeltplatz zurück kehrten, fuhren wir Karussell oder schauten uns eine Show an. Wobei die Sommerrodelbahn unser Favorit war.
Die beste Show lieferten uns allerdings die Möwen. Schon am ersten Morgen bemerkte ich diese, wie sie zusammen mit Raben den Zeltplatz durchkämmten um nach Essbarem zu suchen. Sofort sicherte ich unsere Mülltüte. Aber andere, die neu angekommen sind und ihren Müll unwissend neben das Zelt stellten, erlebten eine große Überraschung.
Die Vögel sind dort eine organisiere Bande, die nach Plan arbeitet. Erst suchen sie aus der Luft nach Mülltüten, und wenn sie eine gefunden haben, gibt es keinen Halt mehr. Da schiebt ein Rabe Wache und die anderen öffnen die Tüte. Die Möwen geben derweil das nächste Ziel bekannt und machen sich über die Reste her.
Somit sah man morgens oft Wiesen voller Müll, den die Vögel freigelegt hatten.
Aber die Angestellten waren sich dessen wohl bewusst und liefen mehrmals am Tag durch den Park, um nach herumliegenden Müll zu schauen. Somit war der Park immer sauber. Was die Möwen nicht abhielt auch mal ins Zelt zu schauen.
Am 4 Tag fuhren wir nach Amsterdam um uns mal ein Bild von der Stadt zu machen. Ohne Navi wären wir verloren gewesen, also die bauen ja Straßen, dass man sich fragt, ob die dabei nüchtern waren? Oftmals gab es Warnungen oder Hinweise, aber alles auf Holländisch und wir konnten somit nur raten, was gemeint war. Überall waren Drempels, die das schnelle Fahren vermeiden sollten. Wobei schnelles Fahren dort eh nicht möglich war, so eng waren die Straßen und überall Kreisverkehr. Aber die Holländer fuhren vorbildlich, selbst auf der Autobahn alle strikt 120 in Reihe und Glied. Und ich habe die ganze Woche nicht ein Hupen gehört.
Parken in Amsterdam ist so gut wie unmöglich, aber es gibt Parkhäuser mit gewaschenen Preisen. Wir waren fast 3 Stunden in Amsterdam und zahlten daher nur 15 Euro.
Amsterdam selbst verglich ich mit Venedig, obwohl ich in Venedig noch nie war. Aber überall die Kanäle und die Brücken, das hat schon was Romantisches. Selbst die Häuser und die engen Gassen hatten Flair. Einfach nur schön. Weiter zum Hafen hin fanden wir auch eine Einkaufsmeile für Touristen. Die Preise wollt ihr nicht wissen, aber ein schönes und ein vielseitiges Angebot gibt es.
Man hört ja immer von Kifferläden in Amsterdam, aber vorstellen konnte ich es mir nicht.
Naja, Kifferladen ist ja auch nicht das richtige Wort, Souvenirladen nennen sie sich dort, und dort bekommt man nicht nur Windmühlen zu kaufen. Und alle 5 Meter lockt ein anderer mit Souvenirs, die er auch im Schaufenster gut darstellt. Somit findet man im Schaufenster neben einer Zahnbürste auch schon mal Hanfsamen oder neben Taschentüchern und Lotion die eine oder andere Tüte. Zur Begrüßung steht nicht Frau Antje da, sondern kiffende Aliens oder so. Ja, es ist sehenswert!
Leider fing es wieder an zu regnen und wir sahen zu, dass wir zum Auto kamen. Den Rest des Tages verbrachten wir wieder im Park.
In der Nacht regnete es wieder ohne Ende und mein Luftbett verlor immer wieder Luft, so dass ich auf dem harten Boden lag. Mein Kopf dröhnte von dem ständig prasselnden Geräusch und im Zelt war alles feucht. Als ich mir am Morgen den Himmel anschaute, wurde meine Laune nicht besser, denn er war trüb und bedeckt mit vielen schwarzen Wolken.
Ich hatte den Kindern das Tikibad versprochen was für uns ja auch umsonst war, also schnappten wir unsere Badesachen und gingen nach dem Aufstehen gleich ins Tikibad.
Klein aber oho! Wasserspaß und Rutschen ohne Ende. Unten baden, von oben mit Wasser schießen. Sich auf einem Reifen treiben lassen oder in ein warmes Blubberbad steigen.
Es gab eine Treppe, die zu vielen Rutschen führte. Rutschen im freien Fall, rutschen mit Reifen, Tunnelrutschen und offene Rutschen. Es war ein Rutschparadies!
Nur hat man bei einigen Rutschen nur den Eingang gesehen und hätte raten müssen, welche Röhre das jetzt ist, weil draußen sahen die Röhren wie ein Wollknäuel aus. Jeder freie Platz wurde genutzt.
Somit stiegen einige in Rutschen ohne zu wissen, welche es ist, nur die Namen „Speed“ oder „Medium“ verrieten etwas über die Rutsche. Auf alle Fälle ist der Besuch im Tikibad ein Abenteuer.
Als wir das Bad verließen, sah der Himmel nicht besser aus und wir schauten uns alle traurig an.
Ich wollte nur noch eins: nach Hause auf das Sofa vor den Fernseher. Selbst die Kleinen wollten kein Karussell mehr oder sonstiges, sie wollten auch nur noch Heim. Alle hofften auf den Fahrer, dass er mitspielt, denn immerhin hatte er sich im Tikibad gut ausgepowert und baden macht müde. Aber er willigte ein und sagte, er schafft es. Was haben wir uns beeilt die Zelte abzubauen und als wir im Auto saßen, atmeten wir auf. Die Fahrt aus Holland raus war beschwerlich, der Himmel dunkel und immer wieder Platzregen, und das brave Fahren der Holländer ließ den Fahrer müde werden. Gott sei Dank änderte sich das in Deutschland, obwohl es ja makaber ist. Aber kaum waren wir in Deutschland auf der Autobahn, fuhren die wie wild. Hier und da schoss einer raus oder überholte haareraufend. Ja, hier wurde ein Autofahrer gefordert und war von hier auf jetzt wieder wach. Die letzte Stunde war dann jedoch ein Kampf. Wir hatten es mittlerweile 23 Uhr, alles war dunkel und es goss in Strömen. Also ich als Beifahrer habe nichts mehr gesehen. Die Kinder waren wie immer artig und still auch bei der langen Fahrt.
Endlich zu Hause!
Mittlerweile hatte ich nicht nur Kopfschmerzen sondern über 39 Grad Fieber. Bin ich froh trotz bezahltem Platz früher abgereist zu sein.
Fazit:
Wir hatten schöne Tage und Erlebnisse. Der Campingplatz ist echt schön bis auf die Preise für Essen und Trinken. Der Erlebnispark Duinrell ist nicht nur was für Kinder und das Tikibad für Groß und Klein ein Erlebnis. Amsterdam ist einfach sehenswert! Und Rotterdam protzt mit seinen Bauten, eine Hafenstadt mit eigenem Charakter.
Schöner weitläufiger Strand, der zum Wandern einlädt. Und dort zahlt man auch nur 5 Euro für den Tag beim Parken.
Das Wasser war leider nicht so doll, aber vielleicht hatten wir nur Pech? Windmühlen haben wir auch gesehen.
Ach und bevor ich es vergesse, wir hatten ein Radio dabei (Weltenempfänger!), nur leider empfing es nur holländisches Radio und alles hörte sich wie Rudi Carrel an. Anfangs witzig, irgendwann nervig.
Ist Holland eine Reise wert?
Na unbedingt!!!
Dajana
» dajana(at)entdeckungsreisende.de
Foto: Dajana
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