Das Anglerlatein-ABC in Schweden

1. Teil: "Lieber kein Hecht als kein Pils"

Jan Janson und der 1.Hecht
Unsere Angelstelle am Alsteran

Hej, heute berichtet euch Sven Svenson von seiner

Anglerstippvisite nach Schweden. Mit von der Partie waren Falk Falkson, Marco Markson und Jan Janson. Nach einem sonnigen, warmen 21.Oktober starteten wir abends in Berlin. Mit nur einer Raucherpause auskommend erreichten wir Rostock. Nach kurzem Palaver, ob wir auf’s Boot (ha ha, eher Kleinstadt) dürfen, schluckte uns das riesige Maul der „Mecklenburg – Vorpommern“. Solche Fische wollte ich auch fangen. Das Jagdfieber stieg in mir auf, und ich dachte ’Boot is Boot’, lasst uns die Angeln gleich von hier aus reinwerfen. Falls ihr bei einer Nachtfähre ruhige Schlafplätze sucht, kann ich nur das Kino empfehlen. Kein Film, Schlafsäcke ausgebreitet und wegen Klimaanlage und Seegang nicht schlafen können, was bei mir schon früher als NIMESK – Syndrom festgestellt wurde. (NIMESK – NICHT IN MOBILEN EINHEITEN SCHLAFEN KÖNNEN)

Aufgrund meines defizielen Schlafauskommens war das Auffassungsvermögen sehr träge, aber für die ersten Anglerlateinsätze arbeitete mein Hirn.

1. „Lieber kein Hecht als kein Pilz!“

2. „Wer große Hechte will, braucht große Köder!“

Nach weiteren 4,5 h und 2 Rastplätzen erreichten wir die 1000 – Seelen – Idylle Alstermo. Erst einmal ging es zur Angelstelle, so dass Jan Janson und Falk Falkson schon mal den Profiwettkampf aufleben lassen konnten. Wir anderen beiden Novizen schauten ehrfurchtsvoll zu. Noch stand es 0:0. Aber da jeder nur 5 Würfe hatte, ging es flux in unsere Villa. Und wie es sich für fussballhungrige Grottenkickplayer gehört, lag das Sportzentrum von Alstermo unserem Haus genau gegenüber. Vorher, wie es sich für ordentliche Teutsche gehört, kauften wir eine Wochenkarte fürs Angeln. Kosten pro Person 50 SKr. Bei einem Kurs von 1:9,3 ganz okay wie ich finde.

Nach einer kurzen Besichtigungstour in Falk Falksons Haus gab es die erste Übungseinheit mit ein paar Platzblinker. Ein kleiner Apfelbaum wurde unser 1. Ziel. Hier ein bisschen „Finger auf die Schnur“, da ein wenig „Rute gerade halten“ und schon waren die ersten Grundlagen gelegt.

Nach kurzer Unterbrechung durch einen 30 km entfernten Flohmarkt, wo es für Vanessa & Falk fast eine super-duper-funktionierende Hammondorgel gegeben hätte (es scheiterte nur durch die telefonische Rücksprache mit V.), ging es nun endlich zum praktischen Teil unser „Fisch – Fang – Übung“, kurz FFÜ. Lehrer Jan und Schüler Sven (ich...FluscHi, aber Fluschi Fluschison hört sich nicht gerade schwedisch an) wurden aus dem fahrenden Auto geschmissen. Jan gab Tips bei der Angelauswahl, -behandlung, Platz- und Köderauswahl. Bei mir blieb es aus kostentechnischen Gründen beim orangenen Gummifisch mit einem Haken. Jan hatte nach seinem 3. Wurf den 1. Hecht an seiner Angel. Entgegen seiner Aussage: „Den Ersten schmeiße ich wieder rein.“ zog er den 61 cm Hecht ins Boot und killte ihn mit einer vollen Flasche Sternburger. Was für ein Abgang.

Kurze Zeit später. Ich merkte es schon beim Auswerfen der Rute. Geschmeidig flog mein orangener Gummiköder durch die klare schwedische, spätherbstliche Luft und erzeugte kaum Geräusche beim Hineingleiten in den Alsteran. Und dann war es da, ein leichtes Zucken der Rute, anders als beim Verheddern des Köders auf dem Flussgrund. Meine zaghaften Rufe zu Falk Falkson „ich glaub’, ich hab was!“. Kurzer Kampf, wenig nachgeben und ruhig einholen. Falk kam mit seinem Kescher und stellte sich zwischen mich und dem gefährlichen Raubfisch. Der Hecht, laut Aussage von Falk ähnlich groß wie Nr.1, war nahe am Steg in Keschernähe. Aber ein letztes Aufbäumen und der zu kurze Kescher Falks machten mich zum würdigen Verlierer. Mit einer tollen Hechtrolle, wie einst Free Willy, entging er unseren hungrigen Mägen. DANKE FÜR DEN KAMPF!! Mein erster Hecht, fast.

Und dann der 3. Lehrsatz des Anglerlateins.

3. Du musst doch einmal richtig anrucken, damit der Hacken drin ist!

Na, wenn ich’s gewusst hätte.

Danach kam Falk noch dem Vorhaben Jan’s nach, den 1.Hecht wieder reinzuwerfen. Das nenne ich Prinzipien.

Der Rest bis zur Dunkelheit verging in Warten und ein Lebendköder rauszuziehen. 18hundert30 wurden dann endgültig die Ruten eingeholt.

Trotz allem wurde der Abend noch getoppt. Der HSV gewinnt auswärts 2:1 bei den Pillendrehern. Paul Krieger, wir danken dir. Entsprechend dessen bekam der Hecht kurz vor der Verspeisung noch den Namen Babsi. Nicht nach Boris Beckers Ex-Freundin, sondern nach unserem Lieblingsspieler bei Leverkusen – Sergej Barbarez.

Mit viel Butter, Zitrone, Porree, Möhrchen, Salz, Pfeffer und vielen Danksagungen ging es für Babsi 30 Minuten ins Warme.

Der Rest des Abends ging für Risiko und Aquavit drauf. Bisher dachte ich Aquavit ist Kümmel und Kümmel ist scheiße. Aber Aquavit wird in Skandinavien zusammengesetzt. Und der beste von Ihnen, der Linie Aquavit wird mit dem Schiff bis nach Australien geschickt und zurück. Nämlich erst nach dieser Reise wurde er ausreichend durchgeschüttelt vom Seegang und die Fässer konnten ihre Aromen an den mir liebgewonnenen Alkohol abgeben. Mit diesem Wissen schmeckte er besonders gut. Jedenfalls war dies der lange ereignisreiche Sonntag.

 

2. Graue Nybro-Maus (Montag, 23.10.2006)

Falk Falkson nach seiner tollen Pilzjagd

Am Anfang des Tages wurde vollkommen relaxt gefrühstückt, gelabert und entspannt. Mittags ging es dann zu einem Kurztrip nach Nybro. Und es scheint, dass Smaland nur aus Wald, Steinen und Wasser besteht. Ein wenig erinnerte ich mich an Irland. Mit zu vielen Steinen, einfach zu viele Steinmauern, aber schön. Nicht ganz so schön ist Nybro. Hoffen wir alle, dass es nur an dem zu regnerischen Oktobertag lag.

Im dortigen Anglerladen deckten sich die Profis und ein Novize - ich ich ich - ein. Drei Wobbler und zwei Gummibarsche mit verdammt vielen Hacken waren meine Ausbeute. Es hatte mich also gepackt, das Angelfieber. Der Fasterfolg vom Vortag hatte Spuren hinterlassen. Für alles zusammen 175,- SKr (ca. 18,-€). Man bin ich blöd. Bei einem Zwischenstopp auf der Rücktour probierten wir gleich mal die Schwimmeigenschaften unserer Lieblinge aus. Aber anstatt Fisch gab’s nur Pilze ohne Ende. Unser Abendbrot war gesichert. Dies war auch der Grund, weswegen ich die letzten hellen Stunden des Tages mit Wellness und Entspannung verbrachte und nicht mit zum Fluß fuhr. Meine Angelkumpels blieben auch ohne Erfolg.

Genauso wie beim weitergeführten Risikospiel. Durch einen geschickten Schachzug, tapfere Leute in Kamschatka und viel Dusel erbeutete ich Afrika und Asien und konnte mich damit Sven Svenson, der schreckliche Eroberer, in den Geschichtsbüchern unsterblich machen. Der Rest war nur noch erquickender Schlaf.

 

3. Ein regnerischer Dienstag in Schweden (24.10.2006)

Unsere Villa für fünf Tage

In Schweden würde mein innerer Wecker gegen 9.00 Uhr sein. Heute ging es für die Cracks und Marco, trotz Regens, um 12.00 Uhr – at noon – zum fischen.

Meinereiner schnappte sich erst einmal ein Fahrrad und erkundete die Gegend. Der Wald hat etwas Märchenhaftes. Moose, Steine und Bäume ergänzen sich hervorragend. Nur das mit den Elchen glaube ich noch nicht so richtig.

Erst ging es ein paar Kettenblattumdrehungen durch den Wald, um dann noch ein paar Meter auf der Straße zurückzulegen.

Später stieß ich dann zum angelnden Volk der Berliner in Schweden. Jan und Marco machten es Kolumbus gleich und stießen in unbekannte Gewässer vor, bis die Dunkelheit schneller war als ihre Rückkehr. Falk Falkson und ich dümpelten in uns bekannten Tiefen. Probierten mal ’ne Laufpose, mal ’n Wobbler oder mal ’n Gummifisch aus. An der Laufpose gab es sogar einen Erfolg, doch 51 cm für einen Hecht schienen uns zuwenig. Und so entließen wir den Kleinen mit der Hoffnung, einen seiner großen Brüder zu erwischen.

Die schöne Landschaft entschädigte für Nieselregen und den anglerungerechten, jetzt nassen Hosen. Und Falk, man PINKELT NICHT IN GEWÄSSER, und nicht mal vom Boot!!!

Unser Anglerglück verließ uns, wenn wir denn je welches hatten. Drum gab es Spagetti mit roter Pampe, was mein Kartoffelherz nicht unbedingt höher schlagen ließ.

Trotz der Bitte Marcos um Revanche beim Risiko gab es an diesem Abend Lügenmax. Und wie sollte es anders sein, das letzte Spiel sollte alle vorangegangenen annullieren. Unser Gaukler vom Theater, Jan Janson, beendete es für sich und war dementsprechend Lügenmax – Champion. Aber wie. Im Grande Finale schaute Sven Svenson nicht drunter, bot (glaube ich zumindest) einen Einerpasch. Dem wurde zu Recht nicht geglaubt, denn es war ein Max. Scheisse!! Mit ein paar Becherovka spülten wir die Schmach der Niederlage hinweg. Gute Nacht!

 

4. Ein traumhafter Mittwoch (25.10.2006)

Der Sonnenuntergang in Alstermo

Trotz wolkenlosen Himmels hatte ich keine Lust, halb sieben, HALB SIEBEN, aufzustehen. Ich drehte mich einfach noch mal um und schlief weiter. Nach ausgiebigen Frühstück mit Zeitungsschau fuhr ich mit dem inzwischen ins Herz geschlossene Rad hinterher. Auch der andere Novize, Marco, wollte sich heute anderweitig beschäftigen. Ihm stand der Sinn nach einer ausgiebigen Wanderung, was er auch in die Tat umsetzte.

Das Forellenangeln wurde auf morgen verschoben und so soll es heute noch mal den Hechten an die Kiemen gehen. Viel Zeit lag ich aber bei herrlich warmen Sonnenschein auf dem Steg. Die restliche Zeit waren keine Hechte an der Angel.

Die frische saubere Luft hinterlässt deutliche Spuren. Nur ein wenig Poker und dann ab in die Falle. Ordnungshalber muss Falk Falkson als Pokerkönig genannt werden. Aber bei diesem Spiel sah ich noch nie gut aus.

 

5. Ein Aprildonnerstag im Oktober (26.10.2006)

Mein zweiter Platz

Nach ersten beginnenden Arbeiten zur Winterbefestigung der Villa von Falk Falkson ging es diesmal nur für zwei leidenschaftliche Angler los. Falk und ich wollten neue Angelgründe erkunden. Die anderen beiden gaben sich die hemmungslose Videokante.

Aber als erstes ging es den Schützenkönig mit Druckluftpistole herauszufinden. Ein großes Ding mit 8-Diabolo-Kammer wurde auf einer Entfernung von ca. 5 m abgefeuert. Wie beim Poker konnte sich auch hier unser Adlerauge Falk durchsetzen. Den Sieg widmete er seiner Oma, die IMMER sagt: „Iß Möhrchen, dann kannst du gut gucken.“

Bevor wir der Jagd nachgingen, besuchten wir eine örtliche Clocksproduzentin. Sie fertigt herrlich moderne Holzclocks (für Nichtkenner: Holzschuhe), welche dann teilweise in Falks Laden, dem OSTKOST in Berlin - Lychener Strasse, weiterverkauft werden.

Eigentlich sollten ja Forellen bei uns auf der Speisekarte stehen. Aber irgendwie war das Hechtfieber größer und die neuen Jagdgründe sahen vielversprechend aus. Erst am See, dann am Wehr. Hier waren unsere schwimmenden Wobbler gefragt. Nahe der Schilfkante, teils darin, vermuteten wir unsere Gegner. Und tatsächlich zog Falk nach kurzer Zeit einen 64 cm Hecht an Land. Aus irgendwelchen Gründen hatte sich der Hacken im Kiemen festgesetzt und so gab es nur wenig Gegenwehr seinerseits. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich den Kescher führte. Danke nochmal Falk für meinen Fast – Ersten – Hecht vom Sonntag. Dann ging es noch einmal zur gewohnten Stelle, um bei strömenden Regen erst noch eine Weile die Ruten auszupacken, dann um unsere Armada von Booten abzutackeln. Es war jedenfalls wieder Dunkel als es Richtung Domizil ging.

Noch hier ein Trampolin abgebaut, da die Sachen gepackt. Alles stand im Zeichen des morgigen Aufbruchs. Schnell ist die Zeit vergangen. Gering war meine Ausbeute beim Angeln. Aber Spasz gemacht hat es trotz Regen, Misserfolg und keinem Fußballkick.

Apropos Fußball, ich persönlich würde ja Alstermo als Trainingslager für Traktor Yolanda vorschlagen. Gepflegt Plätze, viel Wald für das Konditionsprogramm, kein Hartalk (nur Leichtbier), keine Ablenkung durch anderweitigen Genuss. Einfach perfekt für die Genusskicker von Traktor Yolanda.

 

6. Sturmtief über Nordeuropa

Irgendwas im Trelleborger Hafen

Eigentlich wollte ich von der Rückreise nichts schreiben, aber dass ein Sturm Wasser aus den Hafen von Trelleborg drückt, so dass keine großen Fähren rein oder raus konnten, fand ich erwähnenswert. Es kostet uns nicht nur 4 h fürs Warten, eine veränderte Route (statt Rostock buchten wir noch schnell auf Saßnitz um und fuhren auch auf der Saßnitz), ein nicht ganz so schönes Schiff, ein paar zu hohe Wellen, dazu verpasste ich auch noch die Geburtstagsfeier von meinen Kumpel Öfter. Um 3.00 Uhr morgens war ich zu Hause und alles ist schön.

 

Alstermo, wir werden uns wiedersehen.

 

P.S.: Was ich noch mal nachschieben muß; eine Woche nach unserer Abreise kam das Tief Britta und brachte nicht nur Sturmfluten in Nordeuropa, nein es gab noch Schneestürme, -chaos und Stromausfall in Südschweden. Glück sei Dank waren wir zu dieser Zeit schon wieder in unseren mollig warmen Buden in B-Town.

 

Eine kleine » Preisfrage habe ich natürlich auch noch für euch.


Bis bald Euer
Sven – fluscHi – Svenson
» flusch(at)entdeckungsreisender.de

 

 

Bilder

Trelleborger Hafen um 5:45 Uhr
Fußballarena von Alstermo
Das Nachbarshaus
Nochmal unsere Villa
Falk Falkson beim Dirigieren
Dorf des Trödels
Jan angelt - 1
Jan angelt - 2
Jan angelt - 3
Jan angelt - 4
Alstermo
Hecht Babsi - 1
Hecht Babsi - 2
Hecht Babsi - 3
Schwedischer Videotext
Die Essenstafel
Huldigung unseres Ernährers
Faststilleben
"Was wäre das Leben ohne Aquavit ... shit!"
Die Weltherrschaft
Nybro
Falk Falkson und sein "Fang"
Alstermo - 1
Alstermo - 2
Das Wahrzeichen
Alstermo - 3
Das Folkets-Hus in Alstermo
Alstermo - 4
Alstermo - 5
Alstermo - 6
Falk Falkson
Kunst
Blumenblüte im Oktober
Cooooooool
Cooooooool - II
Falk Falkson und seine Ebayschwalbe
China mit in Schweden
Alstermo 122
Alstermo 123
Falk Falkson's Größter - 1
Falk Falkson's Größter - 2
Babsi II hat's warm
Jan Janson mag's intl...klug!

Kommentare

Anzeige: 1 - 2 von 2.

us
  Wednesday, 08-11-06 19:46
hättest ja mal bei mir vorbeischauen können und ein bißchen eisangeln.
grüsse aus Lappland

pit
  Tuesday, 07-11-06 14:45
Sven – fluscHi – Svenson, du bist ein wirklich toller hecht. wenn du ein maedel waerst wuerde ich nicht lange fackeln und dich zum traualtar fuehren.

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