HSBC

London, Oktober 2005

HSBC Tower (links)

Die Eröffnung eines Bankkontos in UK erfordert viel Ausdauer, Geduld und starke Nerven und ist für Choleriker definitiv die falsche Therapie. Erforderlich sind ein Identitätsnachweis (z.B. Ausweis oder Reisepass) und der Nachweis seiner englischen Adresse. Der Adressnachweis ist der eigentliche Knackpunkt, insbesondere für frisch Eingereiste. Akzeptiert werden u.a. permanente Rechnungen für Strom/Gas/Wasser, eine UK Fahrerlaubnis und zusätzlich ein Arbeitsvertrag. Die Akzeptanz der Banken (Abbey, Natwest, Barclays, Lloyds, HSBC, etc.) und sogar ihrer Filialen variiert diesbezüglich aber auch. Zwischendurch hatte ich auch mit dem Gedanken gespielt, Rechnungen zu fälschen, diesen aber wieder verworfen, weil es andere Möglichkeiten gibt. Alternativ akzeptieren einige Banken nämlich auch die Auszüge eines deutschen Bankkontos mit Angabe der Adresse hier. Da Kontoauszüge in Deutschland allerdings rein maschinell erstellte Schriftstücke sind, tun sich die dortigen Beamten schwer, eine Ausnahme zu machen. Deswegen habe ich dann auch dort meine Mutter zum Rabatz machen hingeschickt, weil sie für ihren Dani und ihren Michi alle Hebel in Bewegung setzt, damit die Jungs bekommen, was sie brauchen. Die beste Mutter der Welt. Manchmal etwas zu besorgt, aber was zählt ist das Ergebnis.

Ein paar Tage später hatte ich dann auch per Expresslieferung alles im Briefkasten und konnte nun endlich HSBC Kunde werden. Und schnell sollte es gehen, da ich noch immer nichts mit meinem Scheck vom ersten Job anfangen konnte. Nachdem ich mit Mr. Saunders alle notwendigen Dokumente ausgefüllt hatte, hieß es auf einmal, dass es 3-4 Werktage dauern würde, bis mir HSBC telefonisch grünes Licht gibt und dann noch mal weitere 3-4 Werktage, bis die Kohle vom Scheck zur Verfügung steht und ich meine EC Karte bekomme. Donnerstag war ich da, bis Montagabend kam kein Anruf. Zum Feierabend gab’s dann ganz großen Sport. Da ich für die Woche nur noch ein paar Pfund in der Tasche hatte, musste ich die täglichen Kosten reduzieren und entschied mich, vom Büro nach Hause zu laufen. 7km Fußmarsch entlang der Themse und den ganzen Tag nix gefressen. Nach knapp zwei Stunden hatte das Drama ein Ende. Zu Hause plünderte ich die letzten Lebensmittelreserven und leistete mir von meinem gesammelten Kleingeld noch ein Toastbrot und ’ne große rote Brause. Schon mal mit 1er, 2er, 5er und 10er Münzen bezahlt? Ist kein gutes Gefühl, ehrlich. Am Dienstag hat’s mir dann gereicht. In der Mittagspause habe ich persönlich in der Filiale vorgesprochen und nach anderthalb Stunden war ich endlich Kunde von HSBC. In ganz Britannien konnte man die Steinlawine hören, die mir da vom Herzen gerutscht ist. Und am Wochenende habe ich dann meine ersten Pfundnoten vom HSBC Konto gezogen und auch gleich verbraten. What a feeling! Geil!

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