London, Oktober 2005

- S+P
Sagte mir doch einst, als ich in London schon temporär weilte, die Freundin einer Freundin einer Freundin per SMS für ein Rattenloch ab, für welches sie ursprünglich einen Nachmieter suchte. Freundlicherweise bot sie mir trotzdem ihre Hilfe bei der Suche nach einer anderen Unterkunft an. Wie sie mir später gestand, war es aber lediglich eine großzügige Geste des Mitleids für eine von ihr erwartete plan- und hilflose Fünf, wobei die Fünf auf einer angenommenen Skala die niedrigste Stufe männlicher Attraktivität darstellt. Und ich dachte mir, ich nehme die angebotene Hilfe an. Wer weiß, wozu es gut ist. Und so verabredeten wir uns dann an einem Montagmittag in der Liverpool Street Station. Es waren sehr angenehme Stunden und als wir uns am Abend in London Fields verabschiedeten, musste ich mich nach ein paar Metern doch noch mal umdrehen und stellte fest, dass ich mich mal wieder verliebt hatte. Amor hatte mir ein kleines süßes Kätzchen geschickt - zum Spielen, zum Lachen, zum Necken, zum Streicheln, zum Kuscheln, zum Anschnurren, einfach zum Lieb haben. Das zweite Rendezvous hatten wir auf dem Nottinghill Carnival, ein karibisches Straßenfest mit bunten Kostümen und lauter Musik. An diesem Tag haben wir uns das erste Mal geküsst, abends im Victoria Park unter klarem Sternenhimmel. Wow. Etwas Pech hatten wir auf einer Wiese vor der City Hall. Sonntagnachmittag, strahlend blauer Himmel, frisch verliebt, eng umschlungen. Aus dem Nichts zerplatzte ein rohes Ei auf meinem Kopf. Und keiner war’s gewesen. Ich hatte da eine paar jugendliche Rabauken im Verdacht, die zu diesem Zeitpunkt auf dem Queens Walk ihr Unwesen trieben. Leider fehlte mir der Videobeweis. Die umliegenden Leute hatten von alle dem wohl auch nicht viel mitbekommen. Und so blieb uns dann auch nichts weiter übrig, als im nächsten Pub im Waschbecken zu duschen. Den Tag haben wir uns dann aber trotzdem nicht vermasseln lassen.
Irgendwann wollte ich auch Blumen schenken. Blumen kommen bei Frauen immer gut an. Für ’ne LKW Ladung roter Rosen war es noch zu früh. So entschied ich mich für eine Sonneblume. Eine Sonnenblume ist schön und unverfänglich. Die Suche nach einem Blumenstand, an dem man einzelne Sonnenblumen kaufen kann, gestaltete sich komplizierter als erwartet. Ich fand keinen und ich wollte auch nicht drei oder fünf Sonneblumen sondern ich wollte nur eine einzelne Sonnenblume. Durch Zufall entdeckte ich, dass der Blumenstand an meiner U-Bahn Station Stockwell einzelne Sonnenblumen verkauft. Bestens, dachte ich. Ein genauerer Blick ließ die optische Täuschung jedoch nach ein paar Sekunden auffliegen. Es handelte sich wahrlich um Sonnenblumen, nur wurden diese nicht zum Verkauf angeboten sondern waren dem Brasilianer gewidmet, der hier im U-Bahn Schacht aus falschen Verdachtsmomenten von der wegen des Bombenterrors äußerst nervösen Polizei wie ein Straßenköter niedergeschossen wurde. Die Gedenkecke befand sich direkt neben dem Blumenstand. Ich habe dann aus Zeitmangel im Sainsburry’s zugegriffen und einen fertig eingetüteten Blumenstrauß gekauft (Erinnert mich irgendwie an einen Freund, der einst seiner Freundin eine gute Flasche Wein als Urlaubsmitbringsel versprach und im Supermarkt einen preiswerten Tropfen mit Schraubverschluss wählte.). Die Sonnenblume folgte und noch viel viel mehr.

- MS Bow

- Picknick

- Picknick

- Bock auf Roast Beef?






