Regeneration

Berlin, 22. bis 31.12.2005

Als in Berlin der Flieger aufsetzt, passiert Seltenes. Es muss schon einiges im Argen liegen, wenn mir Krokodilstränen über das Gesicht kullern und das ist gerade so. Wenn ich genau hinsehe, kann ich sie noch mal sehen, die englische Flutwelle, wie sie sich am Horizont aufbaut, immer näher kommt und sich in diesem Augenblick bricht. Ich bin einer der letzten, der aus dem Flieger steigt. Die Leute sollen nicht sehen, dass mich diese Stadt unglücklich gemacht hat. Ich starre aus dem Fenster und warte, bis alle ausgestiegen sind. Die Tränen erleichtern mich etwas. Jens und Fluschi warten geduldig in der Empfangshalle. Wir laden das Gepäck in Jens’ Transporter und fahren in die Stadt. Nach 10 Minuten zaubern sie mir wieder ein Lächeln ins Gesicht, nicht weil sie zwanghaft versuchen, mich aufzuheitern mit Witzen oder so sondern weil sie einfach nur da sind und so sind wie sie sind. Danke Jungs. Am Ostbahnhof sacken wir noch meinen 16jährigen Großcousin Johannes ein, der mit dem Zug zur Weihnachtsfeier im Yolanda angereist ist. Bei der Feier wird dann auch Gas gegeben. Mir geht es von Stunde zu Stunde besser. Es wird viel gequasselt, gelacht und getrunken. „Mensch Daniel, schön das de wieder da bist.“ höre ich den Andi sagen und umarmt mich dabei. Wie Recht mein Haustyrann doch hat. Ich bin endlich zurück aus dem Krieg.

Die Faultierfarm

Weihnachten verbringe ich im Kreis der Familie. Abgeschottet auf der Faultierfarm meiner Eltern gibt es viel Schlaf, gutes Essen, handgemachte Vitamindrinks und leichte Filmkost. Der Einladung meines Vaters, am ersten Weihnachtsfeiertag einen Holztransport durchzuführen, kann ich leider nicht folgen. Meine Akkus sind einfach zu leer. Dafür springt aber mein Bruder ein. Den Silvesterabend verbringe ich mit Hotta. Wir haben beide keine Muße, feiern zu gehen. Mit zwei großen selbst gemachten Pizzablechen schlagen wir uns die Bäuche voll und nebenbei flimmern Highlights der Filmgeschichte. Um Mitternacht schauen wir uns am Fenster aus sicherer Entfernung das Böllerspektakel an und wünschen uns emotionslos ein gesundes neues Jahr. Um 2 Uhr ist Nachtruhe. Herzlich Willkommen in 2006.

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