The Medieval Banquet

London, Mitte November 2005

The Medieval Banquet
Der Gastgeber - Heinrich VIII.

Auf Einladung Heinrich VIII. und meiner Mitbewohnerin Helen folgte ich in Begleitung dem Lockruf eines mittelalterlichen Brot & Spiele Spektakels ins St. Katharine's Dock. Helen feierte hier ihren Geburtstag vor. Sie gehört zu der seltenen Spezies, die an ihrem eigentlichen Geburtstag keinen großen Akt aus diesem wunderbaren Tag machen will oder kann und sich lieber zurückzieht. Die Gestaltung des eigenen Geburtstags obliegt natürlich jedem selbst, jedoch handhabe ich diesen Tag immer etwas anders und kann eigentlich nur gebetsmühlenartig an diese Spezies appellieren – der eigene Geburtstag ist für mich einer der schönsten Tage des Jahres und da will ich grundsätzlich in großer geselliger Runde sein und die Sau rauslassen. Aber letztendlich soll es jeder so machen, wie er es für richtig hält und deswegen auch zurück zum Thema. Im Ivory House lockt das Medieval Banquet mit mittelalterlicher Atmosphäre und dem Slogan „Eat, drink and be merry”. Es ist allerdings nichts weiter als eine professionell organisierte Massenabfertigung und eine Goldgrube dazu. Das großzügige Kellergewölbe hat ein Fassungsvermögen von 500 Gästen. Helen, die Geizkuh, hatte einen der 25 rustikalen Tische gebucht, den ganzen Spaß musste aber jeder ihrer Gäste selbst finanzieren. Das 4 Gänge Menü umfasste Köstlichkeiten aus dem 16. Jahrhundert (Salat, Suppe, Fleisch, Kuchen), dazu wurde Wein und Met serviert. Da die ganze Sache offensichtlich einem straffen Zeitplan unterlag, war es von Vorteil, den jeweiligen Gang zügig hinter sich zu bringen, bevor der Teller von der Bedienung eingefordert/weggerissen wurde. Beim Abräumen half der ganze Tisch mit. In den Gangpausen wurde das Volk mit einfacher aber offensichtlich wirksamer Unterhaltung angeheizt - kostümierte Gaukler führten ihre Kunststücke vor – Schwertkämpfe, Feuerschlucken, eingeschlagene Zimmermannsnägel mit dem Mund aus einem Holzbalken ziehen usw. usw. … Die Stimmung war gut. Nach dem ganzen Getöse sammelte die Bedienung ihr sauer verdientes Trinkgeld ein und der offizielle Teil war nach 2h somit beendet. Im Anschluss lockte der DJ das an- bzw. besoffene Pack mit Tina Turners Gassenhauer „Simply the best“ aufs Parkett und innerhalb von Sekunden war die Tanzfläche gerammelt voll. An dieser Stelle wurde es geschmacklos und deshalb war es auch Zeit zu gehen. Es hat sich mal wieder bestätigt, wie einfach es doch ist, Menschen glücklich zu machen (und dabei noch einen guten Schein zu verdienen) -  mit Brot und Spielen.

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