Versenkt

London, September 2005

Es lief wohl alles ein wenig zu gut mit den privaten und dienstlichen Erfolgen. Nach anderthalb Wochen gab’s nämlich von meinem ersten Arbeitgeber die Kündigung. Begründung: fehlendes Fachvokabular. Fairerweise muss ich aber sagen, dass mir der Abschied mit einem Check in angemessener Höhe versüßt wurde. Na ja, trotzdem war ich für einige Tage erstmal ziemlich down und bin auch nicht unbedingt stolz darauf, dort rausgeflogen zu sein. Ich hab’s dann allerdings auch vermieden, die Selbstzweifel im großen Stil am Tresen wegzuspülen, weil ‘s ja eh nur für den Augenblick hilft und die Probleme am nächsten Tag nicht aus der Welt sind. Helfen konnte mir auch keiner und dann hab ich mir ja auch noch den Spruch „Geht nicht gibt’s nicht“ in mein hoch gezüchtetes Brain tätowiert.

Deswegen begab ich mich erneut auf Jobsuche. Nach 4 Tagen hatte ich null Feedback, was äußerst frustrierend war. Der Druck wurde natürlich auch größer, weil mir das Frischgeld so langsam aber sicher ausging und was das bedeutet, brauche ich wohl nicht näher zu erläutern. In dieser Zeit hatte ich auch erwogen, an medizinischen Testreihen teilzunehmen, an der Haustür Strom zu verticken oder mich als Model ablichten zu lassen. Diverse kostenlose Magazine und Tageszeitungen sind voll mit derartigen Angeboten. Irgendwann kamen dann aber doch ein paar Einladungen zu Interviews für seriöse Jobs. Aufgrund vorangegangener Bewerbungsgespräche änderte ich auch meine Taktik. Statt mich selbst unter Druck zu setzen bloß keine Fehler zu machen, weil man sie ja dann erst recht macht, ging ich ab jetzt etwas lockerer in die Spiele. In zwei Interviews konnte ich überzeugen, bei einem weiteren wurde von beiden Seiten festgestellt, dass es nicht passt. Letztendlich bin ich dann wieder in einem Architekturbüro (14 Mitarbeiter) als Zeichenknecht und Modellbauer gelandet, welches direkt an der Themse mit Blick auf Tower Bridge liegt und eine nette familiäre Atmosphäre spendet. Einfach traumhaft. Hier habe ich mich vom ersten Tag an wohl gefühlt. Mal schauen wie es läuft. Ich hoffe, ich überstehe die Probezeit.

Gebastelt
Blick ausm Buero
Blick ausm Buero
Buero

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