Jemen - Sana'a 2005

Ankunft und erste Eindrücke

Bait Baws

Was mache ich eigentlich im Jemen? Diese Frage schwirrt mir durch den Kopf, ähnlich wie in Tunesien, als ich auf dem Weg vom Flughafen zum Hotel bin. Ich schaue rechts und links aus dem Fenster und sehe nichts, außer Felsen und Geröll. Hier und da ein paar verfallene Bauten und auf den Strassen Autos in furchtbarem Zustand. Der Wagen, in dem ich sitze ist allerdings komfortabel, so richtig mit Klimaanlage…

Ich war an diesem Morgen noch ganz schön müde und habe mich im Hotel erstmal hingelegt. 15 Minuten später bin ich aufgewacht und kämpfte mit der Atmung. Erst wußte ich nicht, was los ist, dann fiel mir ein, daß Sanaa auf 2700m Höhe liegt. Ich legte mich also einfach wieder hin und konnte auch ein wenig schlafen.
Nach ein paar Stunden fing dann auch schon der erste Arbeitstag an. Wir hatten Fahrer, die uns von Siemens gestellt wurden und die wir frei anrufen konnten. Wir konnten auch mal die eine oder andere Fahrt mit ihnen unternehmen. Naja, zuerst aber geht es zur Arbeit. Sabafon heißt der Mobilfunk- Laden. Ein treffender Name für das Land der Königin Sabaa…

Meine ersten Eindrücke von Sanaa zu beschreiben ist reichlich schwierig, da sagt ein Bild mehr als tausend Worte.

Geröll,… Steine,… Kiesel,…

Da fällt mir ein blöder Witz ein: Imposant sind Kiesel im Hintern und Steine im Arsch…
Komischerweise stehen überall moderne Gebäude, die alle auf altertümliche Art gebaut wurden. Architektonisch weichen die Jemeniten kaum vom althergebrachten ab. Selbst Neubauten sind strukturell und „Design- Technisch“ an die alten Gebäude angelehnt. Es gibt auch erstaunlich viele Gebäude mit mehreren Stockwerken.

Das linke Gebäude auf dem unteren rechten Bild wurde von einem amerikanischen Bauherrn errichtet. Die Regierung wollte im obersten Geschoß eine eigene Abteilung für den Geheimdienst einrichten, daß hat der Bauherr aber abgelehnt, darauf hat die jemenitische Regierung eine weitere Baugenehmigung abgelehnt.
Seitdem steht das Gebäude leer (ca. 4 Jahre).

Geröll,… Steine,… Kiesel,…
leer stehendes Gebäude

Wadi Darr

Unser erster Ausflug führt uns ins Wadi Darr. Das liegt von Sanaa nicht sehr weit entfernt. Obligatorisch ist der Besuch des Aussichtspunkts kurz vor dem ehemaligen Sitz des Imam. Auf dem Plateau werden noch heute die traditionellen Hochzeiten gefeiert. Dabei versammeln sich die männlichen Familienangehörigen und deren Freunde und tanzen mit ihren Jambias, den jemenitischen Krumm- Dolchen, einen martialischen Tanz. Die Frauen feiern an einem anderen Ort. Bei unserem ersten Besuch dort, gab es jedoch keine Hochzeit. Dafür waren viele „Touristen- Jäger“ dort. Kinder, die mit Falken rumlaufen und sich fotografieren lassen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auch gleich eine gehörige Menge „Trinkgeld“ losgeworden. Es dauert immer ein bißchen, bis ich mich an eine neue Währung gewöhnt habe und die Verhältnisse richtig einschätzen kann.

Weiter geht die Reise zu dem ungewöhnlichen Haus inmitten eines Felsen.

Plateau
Haus inmitten eines Felsen

Der ganze Komplex ist zu einem Museum umgebaut. In der Umgebung von Sanaa ist der Wadi Darr mit dem Sitz des Imam neben der Altstadt und dem darin befindlichen Markt der wichtigste Anlaufpunkt für Touristen.

Faszination „Geröll“

Um die Faszination der jemenitischen Landschaft zu erkennen, ist es unabdingbar einen Blick für verschiedene Felsformationen, unterschiedliche Fels- und Gesteinsstrukturen zu entwickeln. Auf den ersten Blick wirkt das Land karg und kahl. Wenn jedoch die Frage nach dem Ursprung verschiedener Strukturen im Hinterkopf pocht, dann erkennt man plötzlich, daß viele Strukturen vulkanischen Ursprungs sind. Manchmal scheint es zähflüssige Lava, die sich quälend langsam aus dem Inneren der Erde nach oben bewegt hat, wieder andere Stellen deuten auf sehr flüssige Lava hin, die nach oben geschleudert wurde und dann in Kugelform erkaltet ist.

Faszination „Geröll“

Mekka und Pizza

Der Jemen ist ein arabisches Land, demnach wird dort in Richtung Mekka gebetet. Mekka liegt vom Jemen aus betrachtet in nördlicher Richtung, im Gegensatz zu Europa, wo Mekka eher in süd- östlicher Richtung liegt. Aufkleber mit Richtungshinweis gibt es in jedem Zimmer im Sheraton auf den Tischen. Die Menschen im Jemen sind durchweg gläubig und beten 5x am Tag. Morgens, kurz vor Sonnenaufgang kann man das „Allah Akbar“ von den Minaretten hören, den Aufruf zum ersten Gebet am Tag. Die Gläubigen müssen nicht unbedingt in die Moscheen pilgern, um dort zu beten, sondern können auch zuhause bleiben und dort beten. Die meisten Menschen jedoch suchen die Gemeinschaft. Das gemeinsame Gebet gehört zu den wichtigsten, sozialen Ereignissen. Die Menschen begegnen sich dort und besprechen oftmals mehr als nur religiöse Dinge.
 
Trotz der mittelalterlichen Umgebung gibt es im Jemen elektrisches Licht, man höre und staune(!) und Freßbuden der „Moderne“. Wir waren jedoch hauptsächlich jordanisch/ libanesisch Essen. Hühnchen bis einem schlecht wird! Ich konnte jedenfalls zwei Monate nach meinem Aufenthalt im Jemen keine Hühnchen mehr sehen…

elektrisches Licht
Freßbuden der „Moderne“

Bait Baws

Bait Baws ist ein ehemaliges „Juden“- Dorf. Das Dorf liegt nicht besonders weit von Sanaa weg auf einem Felsen. Aus der Ferne ist das Dorf für das ungeübte Auge kaum zu erkennen. Die Gebäude unterscheiden sich farblich nicht von dem Felsen unter ihnen. Erst wenn man näher kommt sieht man die Häuser. Bevor man jedoch hinauf kommt, wird der Blick von einem Kakteen- Meer abgelenkt.

Grüner Fels und eine verfallene Ruine, und dennoch leben Menschen hier. Auf unserem Trip wurden wir von mehreren Kindern begleitet. Dadurch, daß unser Fahrer ein Einheimischer war und kein typischer Touristenführer, wurden wir von den Kindern in Ruhe gelassen. Es war dann aber sehr lustig zu beobachten, wie sich die Kinder, ähnlich wie Stechmücken, auf andere Touristen warfen und „bakschisch, bakschisch“ bettelten.

Im Reiseführer wird ein enorm großer Baum erwähnt,… Naja,… für jemenitische Verhältnisse mag das stimmen, aber wahrscheinlich freut man sich eh über jeden Baum, den man zu Gesicht bekommt.

Bait Baws
Kakteen- Meer
großer Baum

Babel Yemen

Babel Yemen ist das Tor zur Altstadt und zum Markt in Sanaa. Die Altstadt gilt zu Recht als Weltkulturerbe und wird von der UNESCO geschützt. Gleich nach dem Passieren der Pforte stürzen sich Kinder auf uns und bieten ihre Hilfe als Wegweiser an. Natürlich mit dem Ziel uns ein paar Devisen aus der Tasche zu locken oder uns in irgendeins ihrer Geschäfte zu führen. Untereinander scheint es richtige Streitereien zu geben, wer in welchem Gebiet mit wem „arbeiten“ darf. Zumindest haben sich die Jungs irgendwie „angegiftet“. By the way, nicht davon irritieren lassen, daß hier Männer oftmals Hand in Hand laufen, daß hat nichts zu bedeuten und ist völlig normal. Homosexualität ist dennoch verpönt, doch wer weiß, wer sich manchmal unter den schwarzen Burkas der Frauen verbirgt? Von Michael Jackson liest man ja so was manchmal…

Altstadt
Hand in Hand

In Babel Yemen befindet sich auch der Gewürzmarkt. Hier werden Gewürze noch in althergebrachter Weise gehandelt. Sowas sieht man eigentlich nur noch in Filmen, wie dem „Prinz von Persien“ (o.ä.!?!). Hier und da liegt Weihrauch und Myrrhe in großen Brocken, anderswo Pfeffer und Rosinen in großen Schalen herum. Auch Kath wird verkauft. Kath kommt wohl ursprünglich aus Äthiopien und hat sich mit der Zeit im Orient ausgebreitet. Es handelt sich dabei um eine Pflanze, die gekaut wird und dabei eine anregende Wirkung auf den „Konsumenten“ hat. Die Wirkstoffe sind nach meinem Wissensstand Ephedrin und Epinephrin. Nur frisches Kath wirkt. Die meisten Menschen müssen Kath einige male Kauen, um überhaupt eine Wirkung festzustellen. Für mich war die Wirkung vergleichbar mit „Speed“. Die meisten Jemeniten kauen das Zeug täglich und haben ihre Wangen enorm gebläht, um genügend Kath darin zu lagern. Es scheint auch keine wirkliche, körperliche Abhängigkeit zu entstehen. Ich hatte jedenfalls keine Probleme zuhause ohne Kath auszukommen, - kalter Schweiss rinnt meine Stirn hinab, während ich diese Zeilen schreibe, meine Finger zittern und mein Mund ist vollkommen ausgedörrt…-
Der Kath- Anbau wird für den enormen Wasserverbrauch im Jemen verantwortlich gemacht. Es heisst, dass jedes Jahr um 10 Meter tiefer nach Wasser gebohrt werden muss.

Gewürze
Kath

01.05.2005 - Al Ahjur und Kewkaban

Passierschein

Aufgrund der brisanten Entführungslage im Jemen muss man sich vor jeder Fahrt in die entferntere Umgebung von Sanaa eine Genehmigung geben lassen. Mit dieser Erlaubnis kommt der Fahrer an den Wachposten vorbei. Je nachdem, wie viele Posten zum Ziel zu passieren sind, muss der Fahrer Zettel für beide Richtungen dabei haben.

Al Ahjur

Unser erster grosser Ausflug führt uns nach Al Ahjur, dem grünen Herzen in der Nähe von Sanaa. Die Fahrt führt uns vorbei an kargem Felsen und weiten Feldern. Es ist irgendwie merkwürdig, aber egal wie karg und unbewohnt eine Gegend aussieht, sobald man aus dem Auto steigt um eine Stange Wasser wegzustellen sind plötzlich Leute da und gucken neugierig über die Felsen. Ich habe mich oft gefragt, wo die eigentlich herkommen.

In Al Ahjur musste man schon Schwindelfrei sein, um sich die schmalen Pfade nach oben zu trauen. Der Trip lohnt sich allerdings, man bekommt einen schönen Überblick über die Gegend. Beim ersten Aufstieg sind wir nicht weit genug nach oben gegangen. Beim zweiten Mal konnten wir dann weiter oben noch endlos durch die Schlucht wandern. Ich erinnere mich gerne daran, denn es war, so wie die ganze Jemen- Erfahrung ein einmaliges Naturereignis. Ich möchte es an dieser Stelle noch mal jedem nahe legen, der Jemen ist einmalig und ich hoffe, dass er das noch sehr lange bleibt. Jedem, dem es vergönnt ist einmal dorthin zu kommen möchte ich dies auch wärmstens empfehlen. Al Ahjur sollte auf jeden Fall mit in die Planung gehören und nicht nach hundert Metern Aufstieg aufgeben, es lohnt sich. Leider war bei meinem zweiten Trip der Akku meiner Kamera auf halber Höhe alle. Danach hatte ich immer einen Ersatzakku dabei…

Am höchsten Aussichtspunkt war ein wenig Wasser, was die Ortsansässigen zum Baden nutzten. Sie sprangen da auch von einem Felsen zum Anderen und alberten viel rum. Nicht gut für meine Nerven… Alles oft dicht am Abgrund und, wie ich in Südafrika herausgefunden habe, habe ich leichte Höhenangst. Manchmal mehr, manchmal weniger.

Bevor es weiter geht nach Kewkaban gab es erstmal was zu Essen.

Naif arbeitet als lokaler TAC2 bei Sabafon und ist, so wie Ali gebürtiger Jemenit. Ali ist allerdings im Kuwait aufgewachsen und hat lange Zeit in Ungarn gelebt, wo er auch seine Frau kennen gelernt hat. Er hat seine Familie in den Jemen gebracht, um dort ein neues Leben anzufangen und weil er wollte, dass seine Frau und seine Töchter das Leben im Jemen kennen lernen. Zu meinem Abreisezeitpunkt hat sich seine Frau allerdings entschieden nach Ungarn zurück zu kehren.
Das Thema Frauen ist allerdings ein sehr arabisches. Kopftuch muss sein. Eine Arbeitskollegin, Rajaa Merzouki- Idrissi aus Marokko, wollte unbedingt mit in den Jemen zur Unterstützung. Sie hatte mit dem Rollenverständnis der Jemeniten schwer zu kämpfen. Ali hat ihr z.B. nahe gelegt definitiv ein Kopftuch zu tragen, weil sie sonst als Hure von den Männern betrachtet würde. Sie sagte mir, dass in Marokko die Regeln wesentlich schwächer wären und die Frauen sich weitaus freier bewegen könnten. Nachdem ich nach Berlin zurückgekehrt war hat sie mir eine Horror- Geschichte über ihren Abflug erzählt. Sie musste sich wohl mehrfach vor den Frauen an der Ticket- Abfertigung ausziehen. Sie empfand es als reine Schikane und Demütigung, weil sie wohl ohne Mann unterwegs war.

Leute


Kaffestrauch
Kaffeebohnen


gemeinsames Essen - Von Links nach Rechts: Roman aus Kroatien, Lukas aus Polen, unser Fahrer Ali, ich, Edilson aus Brasilien und Naif.

Kewkaban

Auf dem Weg nach Kewkaban konnte ich ein paar Adler, ich nehme jedenfalls an, dass es Adler waren, fotografieren. Später hat es mich noch öfter gepackt, die Vögel irgendwie ordentlich auf ein Bild zu bekommen. Mit der damaligen Ausrüstung war ich ausgesprochen froh, solche Bilder zu bekommen.

Kewkaban ist eine der am höchsten gelegenen Ortschaften im Jemen. Es ist ein relativ weiter Weg nach oben. Kewkaban liegt auf einem Felsen, weit oben. Es ist ein von Touristen gern besuchter Ort, wenn man im Jemen überhaupt von Tourismus sprechen kann. Ich denke nicht, dass dort jemand ausschließlich vom Tourismus leben kann.

Von Kewkaban aus hat man eine gute Sicht ins Tal.

Wir sind dann später noch einen Seitenweg hinunter gelaufen. Leider hat es ein wenig geregnet und ich hatte zudem noch Schmerzen im Knie. Deswegen konnten wir nicht den ganzen Weg nach unten laufen. Unser Fahrer und der Rest der Truppe hat am Fuss des Berges auf uns gewartet. Wir haben stattdessen auf mittlerer Höhe einen auf Anhalter gemacht. Aus unerfindlichen Gründen ist auch wirklich ein Auto vorbei gekommen und Ali hat uns an einer Kreuzung in Empfang genommen. Ich wäre gerne noch weiter nach unten gelaufen, allerdings nahte die Nacht und ich hatte, wie schon erwähnt, Probleme mit meinen Knien… allerdings bereue ich es nicht, Halt gemacht zu haben und bei ein paar Einheimischen mitgenommen zu werden. Die Beiden waren heftig am Kath- Kauen und hatten ihre Kalaschnikow auf dem Rücksitz. Ich erinnere mich noch gerne daran, wie sie uns gefragt haben, wo wir her kommen und begeistert reagiert haben, als ich sagte, aus Deutschland. Sie haben uns zu verstehen gegeben, dass die Strasse, auf der wir fuhren von Deutschen gebaut wurde und dass sie die Hilfe, die aus Deutschland für den Jemen angeboten würde sehr zu schätzen wissen, im Gegensatz zu dem amerikanischen Sicherheitsgetue.

„Deutschland, tamam!“



Adler

06.05. 2005 - Babel Yemen und Bait Baws

Wie ich weiter oben schon mal erwähnt habe, kann man die Jemeniten mit ihren Jambias und auch mit der Kalaschnikow überall sehen. Man darf sich durch die zur Schaustellung martialischer Instrumente nicht bedroht fühlen. Das Tragen der Jambia oder der Kalaschnikow gehört im Jemen dazu, so wie bei uns das Tragen von Jeanshosen oder Handtaschen.

Die Jemeniten lassen sich auch unglaublich gerne Fotografieren. Der nette Herr auf dem rechten Bild kam extra zu mir, um sich mit seinem Enkel fotografieren zu lassen. Wenn irgendwer da draußen den beiden dieses Bild zukommen lassen kann, würde ich mich sehr freuen.

Hier noch ein paar Impressionen aus Bait Baws:

21.05.2005 - Vulkane, Aden und Taiz

Hinfahrt
An einem Wochenende wollten wir nach Aden fahren. Wir hatten gehört, dass es dort sehr schön sein soll. In meinem Reiseführer steht, das Aden die Stadt mit dem unangenehmsten Wetter der ganzen Welt sein soll. Die Luftfeuchtigkeit soll unglaublich hoch sein und gleichzeitig ist es wohl auch schrecklich warm. Naja, uns konnte so leicht nichts abschrecken, da ja auch der Ozean in der Nähe ist und wir uns dann ja im kalten Nass erfrischen können. Zuerst aber geht die Reise los und führt uns durch die karge Gebirgslandschaft.



Vulkan
Unser erster Stopp liegt an einem Vulkankrater. Ich finde, er sieht auch wirklich gut geformt aus. Mein indonesischer Kollege hat gerade das Foto gesehen und wusste nicht so recht, was auf den Bildern zu sehen ist. Als ich dann sagte, ein Vulkan, schaute er mich skeptisch an und meinte, es sieht eigentlich mehr nach einem Berg aus. Er fragte mich, wo denn der brodelnde Schlamm oder die Lava sei. In Indonesien sind die Vulkane halt immer noch aktiv…


Die Größe kann man sich eigentlich nur richtig vorstellen, wenn man einen Maßstab hat. An dieser Stelle kann ich denn dann wohl auch einen meiner Arbeitskollegen im Jemen vorstellen. Muzzamil kommt aus Pakistan und war zur Unterstützung bei der Systemintegration dabei. In seiner Freizeit klettert er gern in erloschenen Vulkanen.
 
Nach einem Mahl geht die Fahrt weiter. Gegessen wird im Jemen, ähnlich wie in vielen anderen arabischen Ländern, mit den Fingern. Im rechten Bild von Links ist unser jemenitischer Fahrer, dann kommt Muzzamil aus Pakistan mit der roten Mütze, dahinter Adam Hegyi, der Ungar aus Rumänien, er arbeitet als IT- Techniker und sorgt dafür, dass das IN- Netzwerk funktioniert. Auf der anderen Seite sitzt Pawel aus Polen, er ist vom Systemtest und hilft beim Kunden Fehler in der Software zu beseitigen.
Der Fahrer hat zu Beginn der Fahrt kurz an einem Stand angehalten und Quath eingekauft. Bei dieser Gelegenheit habe ich ihn darum gebeten, für mich ebenfalls einen Beutel zu erstehen. Die Fahrt hat auf diese Weise sehr viel Spass gemacht und ich wurde auch gar nicht müde ;-).

Aden
Kurz vor Aden kamen wir dann aus dem Gebirge heraus und fuhren sogleich durch die Wüste. Natürlich konnten wir es uns nicht nehmen lassen ein paar Fotos zu schiessen, allerdings hatte ich ein wenig Panik zu weit ins Feld zu laufen. Wenn man sich nämlich erinnert, hatten die Jemeniten vor nicht allzu langer Zeit einen Krieg und zur Grenzsicherung viele Minen vergraben.
 
In meinem Reiseführer stand, dass man Warnungen definitiv berücksichtigen sollte und in Gebieten, die man nicht kennt auch nicht ohne Vorsicht herumlaufen soll. Zum Glück haben sich Nord- und Südjemen inzwischen wiedervereinigt und versuchen einen gemeinsamen Weg zu gehen. Allerdings gibt es immer noch Überreste aus dem Konflikt zwischen Kommunismus und Kapitalismus. Unser erstes Kamel haben wir hier auch gesehen.
Von hier aus war es dann auch nicht mehr weit bis Aden. Wir waren allerdings nicht auf die feuchte Hitze vorbereitet. In der Wüste hatten wir davon nämlich nicht allzu viel bemerkt und im Auto lief die Klimaanlage auf vollen Touren.

Als wir jedoch die Fahrzeugtüren öffneten, um in unser Hotel einzuchecken traf uns der Schlag. Es ist, als würde man vor eine Wand laufen. Die Klamotten waren schlagartig feucht, uns war warm und der Schweiss lief in Strömen. Wir betraten das Hotel und irgendwie war zwar die Hitze fort, aber nicht die Feuchtigkeit. Scheinbar kühlte die Hoteleigene Klimaanlage zwar, trocknete die Luft aber nicht. Egal, wir wollten sowieso an den Strand, um uns im „kühlen“ Nass zu erfrischen. Also Klammotten auf´s Zimmer bringen und im Eiltempo für den Strand fertig machen.
Nun ist es nicht ganz einfach in arabischen Ländern baden zu gehen. Es gibt nämlich so etwas wie Bekleidungsregeln. Männer sollten ihre Arme und Beine bedecken, Frauen auch Haare und Gesicht. Zum Baden mussten wir also an einen dafür vorgesehenen Strand fahren. Einige Hotels betrieben solche Strände. Sie waren von außen schlecht einsehbar und wir mussten Eintritt bezahlen.

Beim Thema „kühles Nass“ hatten wir uns allerdings verkalkuliert. Das Wasser war „piss“- warm. Von Erfrischung also keine Rede.
 
Am nächsten Tag ging es dann zu einem Aquädukt. Aden war und ist immer noch eine Hafenstadt, in der die Seefahrer angelegt haben, um ihre Vorräte an frischem Wasser aufzufüllen. Ganz in der Nähe liegt nämlich eine Süßwasserquelle. Die Bewohner haben große Auffangbecken für das Wasser in mehreren Stufen angelegt und eins der Becken ist eigentlich immer voll Wasser. Wir waren allerdings an einem Freitag unterwegs, weswegen offenbar wenig Leute unterwegs waren und man uns allein auf dem Gelände ließ. Unser Fahrer ist mit ein paar Leuten zum Beten gegangen. Gut, wir hatten ja Zeit…
 
Wir hatten jedoch nicht damit gerechnet, dass die Sonne zum Mittag brät, als hätte man den Kopf in einen Backofen gesteckt und nirgends Schatten oder der leiseste Hauch von Wind. Was nicht tötet härtet ab! Sogar die Hunde hielten Siesta! Nachdem wir unsere Runde beendet hatten fanden wir zum Glück doch ein angenehmes Plätzchen.
 
Danach ging es dann weiter zum Hafen. Die Jungs wollten Fisch essen. Nachdem uns allerdings der Geruch in die Nase stieg haben wir uns anders entschieden. Ich bin ja sowieso kein Fisch- Esser.
 
Unser Fahrer erzählte uns noch, dass Aden der Ort ist, von dem aus damals, beim ersten Einsatz der Amerikaner im Irak das mit Sprengstoff vollgeladene Boot gestartet ist, um dann völlig unbeeindruckend an einem der amerikanischen Flugzeugträger zu zerschellen. Es hat wohl nur einen schwarzen Fleck am Rumpf hinterlassen. Er erzählte aber auch, dass in Aden üfter mal Touristen entführt werden. Wir wollten ja eine Bootsfahrt machen, aber irgendwie liess sich so was nicht sicher organisieren und fiel damit ins Wasser. Wir sind dann am Abend einfach noch mal an den Strand gefahren. Am nächsten Tag ging es ja auch schon wieder zurück nach Sanaa. Wir fuhren allerdings über Taiz.

Taiz
Taiz ist eine Stadt, die einen atemberaubenden Ausblick bietet. Ich bin mir nicht sicher, aber ich kann mir vorstellen, dass Taiz auch Touristisch erschlossen ist. Der Eindruck, den ich von der Stadt hatte war ganz angenehm, mal abgesehen vom Strassenverkehr. Der Umweltschutz lässt Grüssen.

Rückfahrt
Unser Ausflug nähert sich dem Ende. Hier und da haben wir noch mal angehalten, um ein paar Fotos zu schiessen oder…

Wir sind auch ein paar wilden Hunden begegnet, von denen haben wir uns allerdings ferngehalten. Man weiß ja nie? Tollwut? Hungrig?

Immer wieder liegt die Landschaft zu unseren Füssen und bietet Ausblicke in die Ferne. Es hatte gerade aufgehört zu regnen und ein leichter Dunst liegt über den Bergen. Man kann es sich vielleicht nicht vorstellen, aber ein Teil des Gebirges ist wirklich grün und wenn es regnet, regnet es richtig. Das Autofahren war dann immer etwas abenteuerlich.

26.05.2005 – Thula, Al Ahjur

Thula ist ein Ort, der auch nicht besonders weit von Sanaa entfernt ist. Wir sind dorthin gefahren und waren erstaunt. Es waren viele Jemeniten unterwegs, die uns ihre Hilfe anboten und uns den Ort zeigen wollten. Es hatte die Penetranz von Stechmücken. Kein Wunder, die Touristenbusse kommen hier wohl regelmäßig vorbei und speien ihre Leute aus. Dementsprechend wirkten die Jungs. Am Ende landet man bestimmt in einem ihrer Läden und soll irgendetwas kaufen. Ansonsten hat es sich gelohnt hier mal vorbei zu schauen.

Taiz ist allerdings nur ein halbtages- Trip und wir sind einfach noch mal nach Al Ahjur gefahren. Diesmal haben wir mehr Zeit gehabt und auch noch mehr gesehen. Leider war mein Akku alle und ich konnte keine Fotos machen, aber was soll´s? Soll halt mal jeder schön selber hin fahren und sich angucken, was es da zu sehen gibt.

Es lohnt sich auf jeden Fall, nicht nach der halben Strecke wieder umzukehren, sondern weiter den Berg raufzuklettern und oben ein wenig durch die Landschaft zu streifen. Vielleicht ist es auch eine gute Idee, sich ein Picknick mitzunehmen. Achtung! Runter vom Berg, ehe es dunkel wird.

09.06.2005 - Wadi Darr, Hochzeit

Der Tag meiner Abreise rückt näher. Einer unserer Fahrer hat uns zu einer Hochzeit eingeladen. Wir sind also noch mal zum Wadi Darr gefahren. Dort haben die Jemeniten ihren Hochzeitstanz aufgeführt. Wenn ich es richtig mitbekommen habe, so tanzen Vater und Sohn im Kreis mit ihren Jambijas.

Natürlich waren auch wieder einige Leute mit ihren Falken da. Falken, wenn sie zur Jagd ausgebildet wurden, sollen ja sehr empfindlich sein. In den arabischen Ländern ist der Jagdfalke auch außerordentlich hoch angesehen. Gute Falken können ausgesprochen teuer werden. Die Scheichs treffen sich wohl auch häufig, um mit ihren Falken jagen zu gehen. Verletzen sich die Tiere, werden sie oft in Spezialkliniken für viel Geld wieder zusammen geflickt. Aber wir sind hier nicht bei National Geographics, sondern auf einer Hochzeit im Jemen…

So einen Falken auf der Schulter zu haben ist schon ein interessantes Gefühl. Ich finde ja Adler und Falken ausgesprochen schön. Sie verkörpern für mich irgendwie Eleganz, Kraft und Schnelligkeit. Vielleicht sind das aber auch nur über Jahrhunderte geprägte Adjektive, die durch die Werbung weiter getragen werden? Egal!

Was auch sehr beeindruckend war ist, wenn die Jemeniten ihr Essen zubereiten drehen sie den Gashan definitiv weit auf und brutzeln ihr Gehacktes in der Pfanne, bis sie rot glüht. Ich habe mir daher selten Sorgen um eine ordentliche Desinfektion gemacht.

So, zum Abschied noch einmal Quath kauen und Wasserpfeife schmauchen.

 

Euer usko

» usko(at)entdeckungsreisender.de

 

 

Fotos: usko

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Leserkommentare

Anzeige: 1 - 5 von 5.

Usko
  Saturday, 29-09-07 05:58
Gute Frage,... das, was Systemtest nicht ist,...

Michael Erdmann
  Wednesday, 26-09-07 08:41
Schöner Bericht; wer oder was ist eigentlich System Integration ;-/

Usko
  Wednesday, 19-09-07 02:56
Oh, Danke. War viel Arbeit. Danke auch an Bert, der die CMS- Übersetzung des RTF- Textes gemeistert hat.

dajana aus berlin
  Sunday, 16-09-07 02:05
Wow
ist das schöön was du beschrieben hast und an hand von Bilden vorstellbar . Danke für den Bericht ,er ist einfach nur toll!!!
Ich lese ihn bestimmt noch ein paar mal !

allah
  Tuesday, 11-09-07 17:34
na das scheint ja ein cooler trip gewesen zu sein. schöner reisebericht. allah