Ende Dezember 2004 war es wieder einmal soweit. Eine neue Fernreise stand auf dem Plan unseres Lebens. Da wir uns diesmal fest vorgenommen hatten, die vielen Festtage am Jahresende probehalber zu ignorieren, fiel der Zeitraum unserer Reise auf den 19.12.2004 bis zum 2.1.2005.
"Last Minute" heißt das Zauberwort welches unsere Träume wahr werden lassen sollte. Beinahe ein fataler Fehler. Die Reisepreise klettern genau in diesem Zeitraum so ein- bis zweihundert Prozent in die Höhe. So waren nicht die Malediven, Sri Lanka, Thailand oder Seychellen unser Reiseziel sondern Kuba. Eine Tatsache über die wir ein Leben lang dankbar sein werden. Die Ereignisse vom Dezember 2004 in besagten Regionen haben auch uns betroffen und nachdenklich gemacht.
Nun denn, Kuba also. Ein Land welches wir nun schon zum dritten Mal besuchen werden. Mein erklärtes Lieblingsreiseziel. Ich liebe die Mentalität der Menschen, die Landschaft und das Klima. Den Rum, die Zigarren und die kubanische Pina Colada. Wer einmal eine richtige Pina Colada getrunken hat, weiss was ich meine. Damit sind mit Sicherheit nicht die Hoteldrinks gemeint oder gar die Chemiepampe die es hier zu kaufen gibt.
Nach einem turbulenten Flug im wahrsten Sinne des Wortes, kamen wir gut durchgeschüttelt in Varadero an. Zirka 16.00 Uhr in Leipzig gestartet sind wir ca. 23 Uhr Kubazeit gelandet. Ein Umstand der gut über den Jetlag hilft, da man sofort ins Bett gehen kann. Die Flugzeit betrug etwa elfeinhalb Stunden mit LTU und den obligatorischen Nahrungsmittelersatz gab es natürlich auch wieder.
Der erste Morgen war dann eine echte Enttäuschung. Es war übelst windig, kalt und regnerisch. Ein Wetter, welchem wir eigentlich entkommen wollten. Ich wusste gar nicht, dass es in Kuba so kalt werden kann. Und so froren wir den Tag lang vor uns hin. Unser Wintermantel war das einzig langärmlige Kleidungsstück in unseren Koffern. Aber mit Wintermantel am Strand, auf den Urlaubsfotos, weigerte ich mich zurückzukehren. Nach diesem ersten kühlen Tag, welchen wir mit Erkundungen verbrachten, besserte sich das Wetter merklich. Die nächsten Tage waren so wie erwartet. Mit 30 Grad wirklich angenehm. Das Wasser war bei 24 Grad durchgängig ein Hort der Entspannung.
So konnten wir nun unsere freien Urlaubstage planen. Wir waren der Ansicht, dass man Heilig Abend und Silvester nicht unbedingt mit Tamm Tamm durchs Land brausen muss. Eine Einstellung, die die Kubaner ganz und gar nicht teilen. So kam es, dass wir in diesem Jahr Heilig Abend unter der Wasseroberfläche verbrachten. Wunderbare Tauchgänge im kubanischen Teil des Golfs von Florida. Ein fantastisches Korallenmeer. Gemeinsam mit Guide und einem Kanadier waren wir in der Lage unseren ersten Höhlentauchgang zu machen. Eine Unterwasserhöhle mit kleinen Löchern in der Decke, so das noch Sonnenlicht einfallen konnte. Man hatte auf diese Weise sehr gute Sicht und konnte tausende Jungfische in der Höhle beobachten. Sie hatten sich zu riesigen Schwärmen vereint und durchstreiften die Höhle. Begeistert und stark beeindruckt bewunderten wir dieses Schauspiel. Ein Anblick der sich tief in die Seele frisst, ein Anblick den man nie vergisst. Auch sonst macht die Organisation der Tauchausflüge in Kuba einen sehr guten Eindruck. Man fühlt sich wohl und die Ausrüstung ist auf dem neuesten Stand. Ein Bootstauchgang war uns leider nicht vergönnt. Das Meer war während unserer Reise immer sehr wellig. Und da es sich in voller Ausrüstung so schlecht brechen lässt haben wir auf dieses Abenteuer verzichtet.
Einige ruhigere Tagen folgten. An denen haben wir das Land mit dem Fahrrad entdeckt. Wenn dann doch einmal die Unlust über den Gegenwind siegte, stiegen wird auf unsere Mopeds und unternahmen damit Ausflüge in die Umgebung. Mit den Dingern kommt man wirklich sehr weit und die Preise, gegenüber einem Mietwagen, sind zu vernachlässigen. Man schafft es nicht an einem Tag den Tank leer zu fahren. Zudem passen in die Dinger nur 5 Liter Sprit rein. Wer also einmal in Kuba zuwege sein sollte kann getrost auf dieses preiswerte Verkehrsmittel vertrauen. Es ist eventuell noch zu erwähnen das Kuba ein sehr sicheres Reiseland ist. Man kann sich überall frei bewegen. Bis auf ein paar sehr geschäftstüchtige kubanische Revolutionäre, die einem überall Zigarren verkaufen wollen, hat man seine Ruhe. Diese Typen schaffen es sogar beim Schnorcheln und Baden (im Wasser) direkt vor einem aufzutauchen um ihre Zigarren an den Mann zu bringen. Ich habe in solchen Situationen leider kein Geld bei mir gehabt. Sonst hätte ich die aus Bananenblättern gerollten Zigarren selbstverständlich sofort verkonsumiert. Schade aber auch!
Ein Highlight unserer Reise war es, mit dem Jeep durch Kuba zu fahren. Wir hatten uns zu einer größeren Gruppe zusammengefunden und konnten so im Konvoi die Landschaft entdecken. Unser Weg führte uns abseits der üblichen Touristenwege bis an den Fluss Rio Canimar. Von hier aus ging unsere Reise mit dem Boot weiter. Wir hatten die Möglichkeit, mit unserem Schnellboot selbstgesteuert über den Fluss zu brettern. Da aber die Frauen in der Regel das Steuer übernahmen, waren die gewünschten Seemanöver für meinen Geschmack etwas zaghaft in ihrer Ausführung. Ein bisschen mehr Bugwelle hätte den Spielspaß deutlich erhöht. Wir erreichten dennoch, mit unserem Boot, das Ziel der Reise. Ab jetzt ging es wieder mit neuen Jeeps durchs Hinterland von Kuba. Landschaftlich hat Kuba wirklich einiges zu bieten. Es gibt eine Menge Gebirge die ziemlich hoch und im Winter auch kalt sind. Daneben riesige Täler in denen man die Königspalmen nicht zählen kann. Das Land ist sehr fruchtbar und gibt mehrere Ernten im Jahr her. Ein Bauernblut wie ich findet so was wichtig. Den Stadtheinis unter euch ist sicher das Wort Ernte schon mal untergekommen. Das ist wenn man das Essen draußen einsammelt.
Ferner führte uns der Weg nach Havanna. Eine Stadt die wir schon zweimal besuchen konnten aber diesmal war der Besuch so entspannend wie niemals zuvor. Wir hatten Gelegenheit, dass gute kubanische Essen direkt vor den Toren der Stadt zu genießen. Mit Blick auf die Skyline und einer fantastischen Musikband als Background, war dieser Tag zum ablempeln bestens geeignet. Die Sehenswürdigkeiten Havannas haben wir etwas später besichtigt. Zum dritten Mal nun schon. Man kann nicht behaupten, dass diese Stadt sich schnell entwickelt. Bis auf das Tropicana Musical haben wir wahrscheinlich fast alles gesehen. Und so wichtig ist das mit dem Tropicana auch nicht, da wir unterwegs auch sonst sehr gute Shows zu sehen bekamen. Eventuell liegt es aber auch am Klima, dem Rum und den Zigarren. In Deutschland jedenfalls würde ich mir solch eine Show nicht ansehen. In Kuba ist das toll. Es könnte aber auch daran liegen, dass es sonst kaum Unterhaltungsindustrie gibt. Die Musik hier, ist überall die preiswerteste Art der Unterhaltung. Silvester, zum Beispiel, gab es nicht eine einzige Rakete oder ähnlicher Böllerkram. Höchstwahrscheinlich würde auch bei uns kaum jemand seinen Monatslohn in die Luft ballern. Böse Zungen würden sagen– nischt zu fressen aber Böllern. Und wer will sich so was nachsagen lassen.
Von den Versorgungsengpässen, die zweifellos vorhanden sind, bekommt man als gemeiner Tourist nichts mit. Mit dem harten Euro kann man einfach alles kaufen. Im Übrigen ist jetzt in Kuba der Euro offizielles Zahlungsmittel. Sie müssen in so genannte Peso Konvertible umgetauscht werden. Geld, welches nur in Kuba gültig ist. Der Dollar hat hier überall ausgedient. Ein Umstand, den wir dem starken Eurokurs verdanken.
Was wäre sonst noch zu erwähnen. Unser Hotel war eine All Inklusiv Mastviehanlage. Das erste und letzte Mal wenn Ihr mich fragt. Wer so was toll findet dem gehört die Nase verbogen. Und zwar 180 Grad. Dabei hatte das Hotel wirklich eine Superausstattung, saubere Zimmer, freundliche Angestellte und sonst alles was man zum Überleben braucht. Leider ist sonst an dieser Art Hotel nichts empfehlenswert. Den absoluten Rest gaben einem die Getränke. Wer das Potenzial kubanischer Getränke kennt, hatte hier das Gefühl unverdünnten Rohrreiniger zu trinken. Außerdem ziehen solche Hotels die Suffis dieser Welt wie Schmeißfliegen an. Auch unser trautes Heim war von diesem charakterfesten Menschentypus befallen. Bewohner, die meiner Meinung nach, in 14 Tagen nicht einmal Ihr Zimmer gesehen haben. Übernachtet wurde vor der Bar oder in der Lobby. Anfangs recht lustig mit anzusehen. Nach einer Woche, hätte auch ich dem Barkeeper geholfen, die Typen gut verschnürt im Meer treiben zu lassen.
Fazit unserer Reise. Kuba ist ein geiles Land. Wir möchten es denjenigen empfehlen die ruhige Tage in uriger Tropennatur verbringen wollen. Was man hier nicht findet sind europäische Normen. Das Land ist dreckig und laut. Die Leute haben einfach nichts. Als Tourist ist man eine Geldkuh die gern gemolken wird. Kubaner verkaufen, für eine Hand voll Dollar, Ihre Mutter. Demnach sind hier Mütter billig zu haben, wenn ihr versteht was ich meine. Auf der anderen Seite sollte man nicht vergessen, dass in Kuba ein Diktator regiert. Der Personenkult um Fidel ist nicht künstlich. Die Leute lieben den wirklich. Im Verhältnis zu allen anderen Karibikstaaten geht es den Kubanern sehr gut. All das wird enden, wenn Fidel seinen Che Guevarra besuchen geht. Wir haben uns vorgenommen in zwanzig Jahren dieses Land noch mal zu besuchen. Wenn wir bis dahin nicht unter die Räder gekommen sind.
Schönes Fernweh
wünscht Rücki
» ruecki(at)entdeckungsreisender.de
Fotos: Rücki
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