Österreich - Der Heiler vom Stubaital
Foto im Flur

Bei der Anreise (26.12.2003) zum heiligen Ort Ranalt im Stubaital mussten wir einen kleinen ungewollten Zwischenstop einlegen, da in Höhe Dresdner Tor uns der Sprit auf der Autobahn ausging. Der Fahrer zeigte deutlich seinen Missmut auf italienische Autos und meinte, dass er es noch nie erlebt hat, dass der Tank nach 20 km leer ist, wenn die Warnlampe im Tacho leuchtet.

Unsere Reisegruppe kam morgens um 5 Uhr am Gasthaus Falbesoner an, da wir es vorgezogen hatten, nachts zu fahren. Gleich bei der Ankunft entdeckten wir im Flur ein tolles Foto, welches auf grosse Gastfreundlichkeit schliessen lässt. Auf dem Foto war der Wirt zu sehen und ein Gast, der gerade betrunken die Treppe heruntergefallen zu sein schien.

Nach einigen Stunden Schlaf entschieden wir uns an diesem Tag noch nicht auf die Skipiste zu gehen und lieber einen Wellnesstag im Freizeitbad Milders einzulegen. Dort konnte man Schwimmen, Rutschen, Saunieren und im Whirlpool sich beblubbern lassen. Wir lernten auch zwei sehr gesprächige einheimische Frauen in der Dampfsauna kennen, die uns gern verrieten, dass sie noch keinen Mann zu Hause haben.

Stubaital
Gasthaus
Trauerzug

Am nächsten Tag konnten wir wieder nicht auf den Gletscher, da die Gletscherbahn wegen zu viel Wind gesperrt war. Also entschieden wir uns für Rodeln in Neustift. Die Wartezeiten beim Ausborgen der Schlitten erinnerten an die Wartezeiten früher 1974 beim Bäcker im Osten Deutschlands. Als wir oben auf dem Berg ankamen assen wir eine ungeniessbare Backerbsensuppe und andere einheimische Spezialitäten. Die Pommes waren tote leblose Hüllen. Da noch nicht genügend Schnee gefallen war, war das Rodeln sehr halsbrecherisch und die reinste Schlammschlacht. Die Frauen in der Gruppe zeigten dabei teilweise mehr Mut als Ihre männlichen Begleiter. Das Ende der Rodelpartie wurde mit einem 3 km langen Fussmarsch gekrönt.

Beim Rodeln und Bergsicht

Die Abende wurden grösstenteils mit dem Kartenspiel "Neger" und dem Würfelspiel "Mäxchen" verbracht. Wer verlor musste immer eine Runde Jägermeister bestellen. Später wurden die Regeln auch geändert, so dass einer der Jungs auch mal auf dem Tisch strippen oder einige Kleidungsstücke als Pfand hinterlegen musste.

Am nächsten Tag war die Sicht am Berg sehr schlecht, aber dafür extrem viel Schnee, so dass Tiefschneefahrten endlich möglich wurden. Das Wetter wechselte nahezu täglich, so dass meist am folgenden Tag herrlicher Sonnenschein und optimale Snowboardbedingungen vorherrschten. Auf jeden Fall war es abseits der Piste ein Traum zu fahren, viele unberührte Schneeflächen und auch kleine Kicker zum rüberhüpfen. Wenn man doch mal die Kontrolle über das Board verlor, stürzte man wie in weiche Watte. Das einzige Problem war manchmal nur, sich nach einem Sturz aus dem Tiefschnee zu befreien.

Sprung über kleinen Kicker

Als wir wieder in unserem Gasthaus einkehrten, prahlte unser Wirt mit seinem neuen Flaschenöffner, den er direkt unter der Wirtsschürze in Form eines meterlangen Stoffpenis trug. Das konnte die Reisegruppe aber nicht sonderlich beeindrucken und einer der Jungs zeigte ihm die Vorlage aus dem wahren Leben in Form eines Prinz Albert Rings mit angehängtem Flaschenöffner.

Eine kleine Erkältungswelle zog sich durch die Gruppe und am nächsten Abend bekam einer der Jungs eine Sonderbehandlung von unserem immer gut gelaunten Wirt. Er sollte sich auf den Rücken legen und dann bekam er einen Papiertrichter in die Nase gesteckt, in den dann Vogelbeerschnaps gekippt wurde. Ihm stiegen sofort die Tränen in die Augen und viele Partikel aus seiner Nase schossen blitzartig zu Boden. Das war ein ziemlicher Schock für alle, aber der Patient brauchte seitdem keine Taschentücher mehr.

Am Silvesterabend fuhren wir kurz vor Mitternacht nach Neustift um uns das Feuerwerk anzuschauen. Das war erst mal ein ganz schöner Kulturschock unter so vielen Menschen und dem ganzen Rumgeknalle. Aber nach anfänglicher Zurückhaltung und der Flucht unter einen Sonnenschirm konnten wir in einer Schneeballschlacht gegen die einheimische Bevölkerung auch kleine Erfolge verzeichnen.

Winterlandschaften

Auf der Rückfahrt machten wir für einen Abend noch am Starnberger See halt und besuchten einige Bekannte. Am Abend ging es in Starnberg auf Disco in einen Laden namens "Tequila". Die Musik hörte allerdings um 3 Uhr plötzlich auf zu spielen, weil irgend ein Idiot Bier ins Mischpult gekippt hat. Auf der Rückfahrt am darauffolgenden Morgen wurden wir in München wegen überhöhter Geschwindigkeit noch von 2 Zivilpolizisten gefilmt und gestoppt.

Eine kleine Bemerkung noch zu unserem Wirt. Er sagte am Morgen immer statt "Guten Morgen" immer "Guten Heute", ein echter Spassvogel und Heiler.

Bert

» bert(at)entdeckungsreisender.de

 

Fotos: Bert

» bert(at)entdeckungsreisender.de

Tiefschnee

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