Peru - Ein kurzer Streifzug

Lima - prima Klima

Hotel Mariott

(um den Kalauer vorweg zu nehmen...)

Schon komisch, das einem der Spruch immer wieder ins Gedächtnis fällt?
Naja, Lima. Was soll ich dazu schreiben? Lima hat ein paar schöne Ecken. Das Mariott ist ein total übertriebenes 5 Sterne Hotel. Alles ausgetäfelt mit hochwertigen Hölzern, ein riesiges Foyer, Fahrstuhl- Sicherheits- System, Glasfront und Blick auf´s Meer - wenn man es denn vom Himmel unterscheiden könnte. Ich bin inzwischen umgezogen und wohne viel besser für weniger Geld.

Lima ist eigentlich immer bewölkt. Darin gibt es keinen Unterschied zu Deutschland. In Lima regnet es aber nie, oder nur ganz wenig. Regen ist hier so, als würde man einen trockenen Schwamm ausdrücken. Die Luftfeuchtigkeit ist dennoch recht hoch und ändert sich.

Der Bezirk Miraflores, in dem wir wohnen, gilt als sicherer Bezirk. Das heißt soviel, als dass hier seltener Überfälle begangen werden. Zwei von meinen Kollegen wurden in Rimac ausgeraubt und in der Nähe von unserem Arbeitsplatz wurde der einheimische SUN-Microsystems- Installateur zusammengeschlagen und ausgeraubt. Eigentlich hätte er wissen müssen, dass es töricht ist, nachts in dieser Gegend in Anzug und mit Laptop rumzulaufen.

Der Fahrtweg zur Arbeit ist scheußlich. Überall Staub, Geröll und halbfertige Häuser. Hier und da liegt Müll herum, die Strassen sind kaputt und es stinkt nach Autoabgasen. Der Arbeitsplatz ist ein Bunker ohne Fenster. Herein kommt man nur durch ein hohes, von zwei Wachleuten bewachtes Gitter- Tor, nachdem man eine ID- Karte durch ein Fach in verspiegeltem, kugelsicherem Glas geschoben hat. An den Ecken befinden sich Wachtürme. Als ich in Peru angekommen bin, gab es dort kein Wasser auf den Toiletten, inzwischen ist das aber behoben. Wenn wir einem Taxifahrer sagen, dass wir nach San Juan de Miraflores in das Centre Industrial wollen, werden wir immer argwöhnisch angeschaut. Einer unserer Taxifahrer dachte definitiv, er hätte uns falsch verstanden. Was wollen Touristen in dieser Gegend?

Es gibt aber auch ein paar schöne Ecken in Lima. Baranco gilt z.B. als Touristen- Attraktion. Wir haben uns dort ein Restaurant mit Meerblick ausgesucht. Leider hat es nahrungstechnisch keine Auswahl und wurde uns schnell zuviel. Zu den meisten Restaurants müssen wir 20 min. mit dem Taxi fahren. Es gibt noch ein schönes Restaurant am Strand: El Salto del Fraile. Da ist es nur sehr schwierig ein Taxi zum zurückfahren zu bekommen. Es liegt ziemlich abseits hinter einem Hügel und die Zufahrtsstrasse ist eine Einbahnstrasse, d.h. wir müssen bis zur nächsten Kreuzung vorlaufen.

Weihnachten 2005 in Nasca

Alpaka

Wir haben Weihnachten in Nasca verbracht. Nach einer recht langen Fahrt, peruvianische 4 Stunden entsprechen etwa 8 Stunden europäischer Zeitrechnung, durch die Wüste an der pazifischen Küste von Südamerika sind wir in Nasca angekommen. Noch bevor man in die Stadt kommt steht dort ein Aussichtsturm, von dem man den ersten Eindruck der berühmten Linien bekommen soll. Die Aussicht ist dann eher enttäuschend. Es gibt zwar zwei Figuren, die sind aber schlecht zu erkennen.
Erich van Däniken behauptet es seien Landebahnen von Ausserirdischen. Die Figuren, die rings um die Linien zu sehen sind bezeichnet er als Cargo- Kult. Cargo- Kulte wurden von den US- Amerikanern beobachtet, nachdem sie auf abgelegenen Inseln Forschungen durchgeführt oder vorübergehende Stützpunkte errichtet hatten und von den Eingeborenen dabei beobachtet wurden, wie mit Flugzeugen oder Helikoptern Nahrungsmittel auf die Inseln gebracht wurden. Natürlich haben die Eingeborenen zeitweise von den "Mitbringseln" der US- Amerikaner profitiert. Nachdem die Stützpunkte aufgegeben wurden, konnte beobachtet werden, wie die Eingeborenen Flugzeuge aus Holz nachgebaut haben oder Linien in den Sand gemalt wurden. Die Idee scheint zu sein, dass auf diese Weise "die Götter" darum gebeten wurden neue Güter (Cargo) zu liefern.
Archäologen gehen heute eher von der Idee aus, dass diese Linien zum beschwören oder beschwichtigen von Wassergeistern erschaffen wurden, aber eine gefestigte und anerkannte Theorie gibt es bis heute nicht. Es ist auch immer noch völlig unklar, von wem und wann genau diese Linien erschaffen wurden.
Im Museum der deutschen Forscherin Maria Reiche sind wir dann unseren ersten Alpakas begegnet. Eines der Tiere ließ sich streicheln. Auch wenn das Fell irgendwie rau und ungepflegt aussah, so fühlte sich das Tier angenehm weich an. Es versuchte immer wieder mich zu beißen. Nicht boshaft, sondern eher wie bei gegenseitiger Fellpflege.
Heilig Abend saßen wir im Hotel Nido del Condor (Nest des Condors) und tranken ein Glas Wein. Es war sehr entspannend und angenehm warm.

Am nächsten Morgen ging es dann rüber zum Flughafen. Für uns stand eine Cesna 737 bereit. An Bord der Maschine war Platz für 4 Personen, der Pilot mit eingeschlossen. Es ging in die erste Kurve, zum Glück hatte keiner von uns gefrühstückt. Wir überflogen die Nasca Linien und konnten uns einen Überblick über die Landschaft verschaffen, durch die wir am Vortag gefahren sind. Überall war - Nichts. Alles Platt, abgesehen von ein paar Hügeln. Überall liegen kleine Steine nebeneinander. Der ganze Boden ist davon bedeckt. Die Figuren sind entstanden, indem einfach Steine weg genommen wurden und an den Rändern aufgehäuft wurden. Wenn die Linien schon lange existieren, dann dürfte es dort keinen Wind, kein Wasser und keine sonstigen Bewegungen der Erdoberfläche geben? Schön zu sehen, sind Strukturen, die eindeutig durch Wasser erschaffen worden sein müssen. Vielleicht liegt das schon sehr lange Zeit in der Vergangenheit. Wir hatten dort auf jeden Fall keinen Wind und auch nirgends Wasser gesehen. Obwohl, in der Nähe gab es Aquädukte, die unterirdisch bis zu den Bergen führen sollen. Es soll auch irgendwo Gräber mit Mumien geben. Die haben wir aus Zeitgründen nicht mehr gesehen. Die Mumien sollen einfach durch die trockene Luft entstanden sein und deswegen nicht verwesen.

Am Nachmittag ging es dann los nach Paracas. In Paracas soll es ein Naturschutzgebiet geben, in dem irgendwelche Tiere zu finden sein sollen. Naja, auf dem Weg dorthin gibt es auf jeden Fall viel Wüste und ab und an mal ein paar Palmen. Paracas an sich ist schön, klar, viel Sand und auf der anderen Seite Wasser, aber dafür ist der Sand bunt!

Neujahr 2006 - Andenüberquerung

Zum Neujahrswochenende sind wir einmal quer über die Anden nach St. Ramon gefahren. Am Freitagabend ging es los. Mit dem Taxi fuhren wir quer durch Lima zu irgendeinem dubiosen Busbahnhof. Der Taxifahrer ließ uns definitiv nicht aussteigen, bevor er die Lage nicht gecheckt hatte. Dann sind wir mit unserem Gebäck, vorbei am Wachpersonal (bewaffnet), direkt auf den Hinterhof mit den Bussen marschiert. Dort konnten wir auch gleich in einen, im ausgezeichneten Zustand befindlichen, doppelstöckigen Reisebus einsteigen. Die Sitze boten viel Beinfreiheit und außerdem konnten sie weit nach hinten geklappt werden und es gab spezielle Fußstützen, so dass wir bequem schlafen konnten. Uns wurden vor Reiseantritt Pillen gegen die Höhenkrankheit empfohlen, die wir jetzt einnahmen. Der Höchste Punkt über den wir fuhren lag wohl bei 4800m. Ich habe seelenruhig geschlafen, dennoch war ich am nächsten Tag ziemlich groggy.

Am Samstagmorgen fuhren wir durch die grünen Ausläufer der Anden. Der Bus wackelte hin und her und wenn er sehr schnell fahren konnte, mussten wir uns manchmal festhalten.
Die Strassen waren an manchen Stellen überflutet und matschig, aber dass schien eher normal. Die ersten Eindrücke der Siedlungen und Dörfer waren enttäuschend. Alles wirkte heruntergekommen und ähnlich dreckig wie in Lima. Wir sind natürlich nicht in St. Ramon ausgestiegen, sondern schön brav weiter gefahren, bis zur Endhaltestelle in La Merced, zum Glück, wie sich nachher rausstellte. Wir sind dort unserem Taxifahrer für die nächsten zwei Tage begegnet und hatten in ihm und seiner Familie einen angenehmen und netten Führer gefunden. Die Strassen in der Gegend sind alle schlecht. Viele Wege lassen sich nur im Schritttempo befahren und das Taxi setzte mehrfach auf. Unser Hotel war dann etwas Abseits des Hauptortes in einem "Dschungel“ - Abschnitt gelegen und sehr schön. Na ja, Haustiere muss man einfach übersehen.
Vor der Tür saß ein Adler auf einem Baumstumpf und Pfiff oder Schrie, wie auch immer man den Laut eines Adlers bezeichnen mag, um das Hotel herum gab es viele unterschiedliche Pflanzen, die sonst nur im botanischen Garten zu sehen sind. Dahin führte uns auch unser erster Ausflug, in den botanischen Garten auf dem Weg nach Oxapampa.
Die erste Pflanze, die meine Aufmerksamkeit auf sich zog war Banesteropsis Caapi oder Ayahuasca. Banesteropsis Caapi. Das ist eine Schling-/ Lianenpflanze, die als Schmarotzer von Bäumen lebt. Aus ihr wird das sagenumwobene Ayahuasca hergestellt. Ayahuasca ist eine Rauschdroge, die von den im Urwald lebenden Indianern häufig eingenommen wird, wenn sie auf der Suche nach Visionen sind. Es wird behauptet, dass während des Ayahuasca- Rausches (geübter Nutzer ca. 15 min., ungeübter Nutzer ca. 2 Std.) die Entstehung des Kosmos, der Erde und des Lebens, vom Anfang bis heute erlebt wird. Es wird zur Reinigung der Seele und des Geistes verwendet. In dem Film "Der Höllentrip" nimmt die Hauptfigur Ayahuasca in einem Ritual zu sich und verwandelt sich anschließend in ein Tier.

Danach fuhren wir zu einem Wasserfall und gingen dort ein wenig Spazieren. An den Eingängen zu den Wasserfällen mussten wir Eintritt bezahlen. Das war schon merkwürdig, weil wir dachten, dass sich kaum ein Tourist in diese Gegend verirrt, aber da haben wir uns getäuscht. Am oberen Wasserfall haben die Leute gebadet. Zum unteren Teil hat sich dann aber kaum einer verirrt, der war nämlich schwerer zugänglich und man musste auch etwas mehr Kondition mitbringen. Der Weg hat sich jedoch gelohnt und führt zu ein paar Bildern, die sich als Fototapete verwenden lassen (o. Ton: Stephan Januschewski). Erschöpft ging es am Abend in ein Restaurant, das an einer Brücke über den Rio Chanchamayo lag.
Das peruanische Neujahr haben wir alle verschlafen. In Deutschland war ja Mitternacht schon längst passé. Wir saßen Abends noch kurz zusammen und haben versucht mit ein paar Flaschen Wein bis Mitternacht zu warten, aber der ganze Tag war einfach zu anstrengend und so brachen wir nacheinander um ca. 22:00 Uhr zusammen. Aus der Ferne drang laute Musik an unser Ohr, das konnte uns aber vom Schlafen nicht abhalten.
Morgens war es bewölkt und angenehm kühl. Zum Mittag hin brach jedoch die Wolkendecke komplett auf und die Sonne kam durch. Danach wurde es sehr warm. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit waren die Klamotten permanent klamm und klebten am Körper.

Am Sonntag wollten wir zu einem Wasserfall fahren, der ca. 60 km von unserem Ort entfernt war, auf halber Strecke mussten wir dann jedoch aufgeben. Die Piste war eine reine Holperstrecke und selbst Tommy Makkinen oder Jutta Kleinschmitt hätten das abgelehnt. So sind wir ein wenig zu Fuß gelaufen. Es gab viele Schmetterlinge, die definitiv nicht bereit waren sich Fotografieren zu lassen. Schmetterlinge sind vielleicht ein paar hektische Insekten. Einen Bambuswald habe ich auch gefunden. Ich dachte eigentlich, dass die in China wären, aber hier gab es einen. Ein Fußweg führte mitten durch den Bambuswald irgendwo hin. Nachdem wir uns die Füße platt gelatscht hatten fuhren wir zu einem Wasserfall, der uns von unserem Fahrer empfohlen wurde. Und siehe da, es ist genau dass, was sich unser Projektleiter vorgestellt hatte. Echte Dschungel- Atmosphäre, Wasser und Bilder, die beeindrucken. Juliana hat sich dann auch in den Wasserfall getraut und dort ein wenig mit den Indios gebadet.

 

Euer Usko

» usko(at)entdeckungsreisender.de

 

Fotos: Usko

» usko(at)entdeckungsreisender.de

 

Leserkommentare

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Pit aus Berlin
  Monday, 03-04-06 18:27
... unterhaltsamer Bericht. So kann man sich in etwa ein Bild von Peru machen. Bis bald.