Stockholm - Auf den Spuren von Otto Palme
Fluschi
Andi
Svante
Pit

Mittwoch, 20.06.2007, Anreise

Kaiserwetter in Berlin. Was will man mehr zum Auftakt einer Reise. Mit von der Partie sind Fluschi der uneheliche Sohn von ABBAs Benny, Latinolover Andi und Keine-Gefangenen-mehr-Macher Pit. Von Sandra (Good luck in Afrika) lassen wir uns zum Flughafen kutschen und landen am frühen Mittag in Stockholm-Arland. Im Vorfeld hat sich Fluschi in einem Reiseführer schlau gemacht und berichtet uns u.a. über Verhaltensweisen, die die sonst so kühlen Schweden in Rage bringen -  in der Gruppe aus dem Rahmen fallen (laut streiten und diskutieren, evt. dazu noch angesoffen), in Menschenschlangen vordrängeln und bei Gästen die Schuhe nicht ausziehen (ein traditionsreiches Relikt des skandinavischen Landlebens um den Kuhmist nicht in der gastgebenden Wohnung zu verteilen). Am Schalter für die Bustickets drängelt sich höflich eine Schwedin vor, wir sind empört, verhalten uns aber ruhig, kaufen die Fahrscheine und sammeln auf der 45minütigen Busfahrt die ersten Eindrücke. In der Innenstadt stärken wir uns beim Kebab-Imbiss, lassen uns im Otto Palme Park nieder und überbrücken die Wartezeit mit Skat spielen am Springbrunnen. Wir warten auf  unseren Gastgeber Svante, der gerade an seiner Doktorarbeit bastelt. Der Junge aus der berühmten Universitätsstadt Uppsala wohnte einst in Berlin bei Andi in der WG, ist mittlerweile zu einem der mächtigsten Wirtschaftsbosse Schwedens aufgestiegen und war mit seiner landesweiten Propagandatour maßgeblich daran beteiligt, dass das schwedische Fußvolk gegen die Einführung des Euros stimmte. Deswegen müssen wir jetzt im wohlverdienten Urlaub die getauschten Kronen zu Zwecken des Preisvergleichs mühsam durch 10 teilen. Und dann kommt er dann auch bald der „alte Schwede“. Wiedersehen macht Freude. Im Biergarten stoßen wir an, quatschen und machen die ersten Fotos. Am Nebentisch sitzt ein Mann mit einem Friedrichshain T-Shirt. Zwischendurch schnippst Svantes Freundin Mikaela auf einen Smalltalk vorbei, erzählt uns in Englisch von ihrem Fahrrad (erst hatte es einen Platten und dann wurde es in der Werkstatt mit einem anderen vertauscht), muss dann aber auch schon wieder weiter zum Tennis spielen. Und bevor wir in der Mittagshitze versacken, machen wir uns auch auf den Weg in unser Quartier und zum Lebensmittel einkaufen.

Svante wohnt im Süden der Stadt. Vor seinem 7-Geschosser befindet sich eine Raumstation für außerirdische Lebensformen mit 6-spuriger Landebahn. Vor kurzem ist hier das UFO „Arena“ gelandet – ein riesiger kugelförmiger Raumgleiter für Konzerte und Eishockeyspiele. Direkt daneben sieht man die Flutlichtmasten eines Fußballstadions. Dort trägt das Team von Hammarby IF seine Heimspiele aus. Wie wir aus einer Zeitung erfahren schlugen tags zuvor die Hammars im Punktspiel der Allsvenskan (die schwedische Bundesliga) den verhassten Lokalrivalen Djurgardens mit 2:0. Danach gab es Fanausschreitungen. Vom Supermarkt zurück beladen wir den Kühlschrank mit Material und belohnen uns mit einem rustikalen Büfett. Der Tag hat seine Spuren hinterlassen, die Akkus sind ein wenig leer, die Maschinen werden aber trotzdem noch mal für einen ca. 3km Fußmarsch in die betonierte Innenstadt auf Notstrom geschalten. Von einer Biergartenterasse die Stockholmer Skyline betrachtend werden die Reiseziele für die nächsten Tage festgelegt – Vasamuseum, Altstadtbesichtigung, Midsommar in Skansen, Scherentour, Deathmetalkonzert und natürlich Fußball. In einer anderen Bar geht es um die Qualität und Quantität der einheimischen Frauen. Strohblonde und brünette Schwedinnen in Massen, eine hübscher als die andere, lächeln uns pausenlos an, machen uns in fließendem Deutsch blumige Komplimente, bezahlen uns die Cocktails und Köttbullar, massieren uns die geschundenen Rücken, wollen uns auf der Stelle wegheiraten und uns die Immobilien, Baufirmen und Hotelketten ihrer reichen Eltern vermachen. Traumhafte Erwartungen die überraschender Weise nicht erfüllt werden. Enttäuschung macht sich breit. Wir leeren unsere Gläser, gondeln mit der U-Bahn (Tunnelbana) zur Raumstation zurück und setzen bis in die Morgenstunden unser Skatturnier in Svantes Küche fort.

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Donnerstag, 21.06.2007

Da unser Willkommenstrunk etwas länger ging, war es nicht verwunderlich, dass wir erst „at noon“ unsere Äuglein öffneten. Svante war da schon längst im Büro. Wahrscheinlich lag aber auch er dort nur auf seiner Isomatte unter seinem Schreibtisch. Aber fangen wir die heutige Geschichte chronologisch an. An die zwei Stunden dauerte unser Frühstück, Peeling, Dauerwelle und was sonst noch so jeden Morgen anfällt. Andi weigerte sich zu laufen und so investierten wir mal wieder 26 SKr in die U-Bahn. Direkt am Schalter würde es glatte 40 kosten, aber wir sind ja keine kleinen Dummen ... ! Am T-Central – ich schätze mal Hauptbahnhof – angekommen, kollaborierte Pit mit dem allgegenwärtigen Feind, der Bullerei. Und dies nur, um zu erfahren, wo die Touristeninfo ist. Als wir diese dann – mit Hilfe des Feindes – endlich gefunden hatten, stellte sich heraus, dass die „Stockholmkarte“ für 3 Tage „nur“ 53,- Oiro kostete. Wir beschlossen, dass diese für uns zu teuer ist. Wer will schon 72 Museen in 3 Tagen sehen?

Also machten wir uns zu Fuß auf, Stockholm zu erkunden. Am schwedischen Reichstag vorbei war Riddarholmen unser 1. Ziel. Danach erkundeten wir die Altstadt – Gamla Stan. Der Name rührte nicht von uns Gammlern her, sondern ist schon viel älter. Geprägt ist dieser Stadtteil von engen schönen Gassen und vielen Touristen. Vielleicht daher der Name. Andi hatte den 1. Erfolg bei Frauen. Zwei ca. 70-jährige erklärten ihm das Nobel – Museum, in dem jedes Jahr die Nobelpreisträger erkoren werden. Aber Trubel und Touristen wurden uns schnell zu viel. Darum lenkten wir unsere Schritte über die Brücken und Straßen Stockholms um Skeppsholmen zu erobern. Schnell stellten wir fest, dass die strategisch günstige Lage für ein Leben in Saus und Braus optimal war. Schnell deklarierten wir unsere Forderungen an Stockholm – Fressen, Saufen, 18jährige Jungfrauen. Wenn nicht, kündigten wir brandschatzende Streifzüge durch Stockholm an. In Gedanken an den 30jährigen Krieg hallten uns Gottes Worte „Auge um Auge...“ durch den Kopf. Als unser Leben dann für die nächsten Jahre verplant war, setzten wir aber erst einmal zum Vasa – Museum über. 17:45 Uhr.Eine viertel Stunde erschien uns relativ kurz, um die Schwächen der Schweden zu erforschen. Darum verschoben wir dies auf den nächsten Tag. Dann schlenderten wir wieder Richtung Metropolis, vorbei an hübschen Booten und Hotels.Als nächstes stieß Svante wieder zu uns, dem wir mal eine Uhr mit Gebrauchsanleitung schenken sollten. Als „Geheimtip“ ging es dann schnurstracks in ein polnisches Lokal. Viele Schlipsträger, unfreundliche Kellnerin und polnisches Bier. Danach ging es dann noch kurz in Svantes Büro wegen diverser Terminüberprüfungen auf dem Punk und Dark Metall Sektor. Stockholm blieb tot. Jetzt hieß es nur noch „Auf in die Heia“. Ein bisschen Skat hier, ein wenig Wanstrammeln (? vom polnischen Essen?) da und ab ging es in’s Bettchen – Isomatte auf Parkett.

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Freitag, 22.06.2007

Unser midsommerdag begann erstaunlicherweise schon um 10 uhr morgens mit einer einkaufstour ohne fluschi, dem noch wamstrammelderweise die polnische küche zu schaffen machte.Leider merkten wir dabei ,das nun auch die letzten Ureinwohner die Stadt verliessen und das Schlachtfeld komplett uns Touristen überlassen wollten.Am Bootssteg trafen wir noch auf die letzten Flüchtlinge die sich wahrscheinlich über die Ostsee vom Acker machen wollten.Am Vasamuseum angekommen ging es daran einen Haken hinter den Kulturteil zu machen.Um die Schande des Unterganges ein wenig zu übertuschen wurde das Licht auf ein Minimum reduziert und Inspektionen unsererseits auf Deck durch Ablenkungsmanöver wie das zurschaustellen alter Knochen und 300 Jahren alten Trödel verhindert.Auch Svante ,der inzwischen  vom Yogatraining aus seinem Büro wiedergekommen war,konnte nicht übersehen das ich (Andi)als bester Bootsbauer von der schwedischen Marine angeheuert wurde undund sogar Glückwünsche des Königshauses entgegennehmen konnte.Bei dieser Computersimulation des Baus eines Segelschiffes hat es unsere Landratte Fluschi sogar geschafft,sein Schiff beim Stappellauf ohne Wind sinken zu lassen.

Eiligen Schrittes ging es weiter ab zum grössten Freilichtmuseum der Welt,das durch die Blosstellung ärmlicher Lebensweisen des frühen schwedischen Wohlfahrtstaates traurige Berühmtheit erlangte.Durch ekstatisches tanzen um einen Baum und singen alberner Kinderlieder(der Frosch hat keine Ohren,der Frosch hat keinen Schwanz,Quak,Quak)wurde dem cool danebenstehenden Quartett ein heiteres Landleben vorgegaukelt.Aus dem hohen Norden weggefangene Samen saßen in heiterer Runde mit handyzückenden Bleichnasen aus aller Welt und beschrieben die Vorzüge eines 2qm grossen Zeltes für 6 Personen und 2 Hunde,da kann schon mal Neid aufkommen.Um dem ganzen noch die Krone aufzusetzen beinhaltet der Park noch einen Zoo mit Gehegen für jeweils "ein" typisch nordisches Tier wobei doch schon Noah ein Pärchen als sinnvolle Investition erkannte.Um hier nicht den Eindruck enstehen zu lassen man hätte rein gar nichts gelernt, muss ich einer alten Theorie über das Fangen von Elchen abschwören.Wie eigentlich jedes Kind weiß sägt der Jäger die Schlafbäume der Elche an,welche dann anlehnenderweise beim einpennen im stehen einfach umfallen und nur noch eingesammelt werden müssen,den Elche haben keine Kniegelenke.Preiselbeeren rauf fertig.Iss doch nicht ganz der Wahrheit entsprechen,denn ich habe ihn gesehen den knieenden Elch. Nach wohlverdienten fünf schluck Bier zu jeweils einem Euro näherte sich der kulinarische Höhepunkt der Reise,dem traditionellen Midsommaressen.Dafür braucht der gemeine Schwede folgendes:rote Zwiebeln,Jogurt,Matjes,Pellkartoffeln,Knäckebrot,Eier und Wodka.Ab in den Mixer und fertig ist die Laube.Dazu wurden lustige Schnapslieder gesungen wie etwa"Hier tanzt Hr. Gurka,sowohl Walzer als auch Mazurka,grün ist Hr. Gurka,grün ist sein Bruder,beide haben Strümpfe,aber keine Schuhe".Dieses sinnfreie Lied konnte von der Berliner Fraktion relativ leicht mit einigen bedeutungsschwangeren Liedzeilen der Lokalmatadore getoppt werden.So entwickelte sich ein feuchterfröhlicher,runder Abend,wobei sich besonders Pit durch poesievolle Vorträge hervortat.Die obligatorische Abschlussrunde Skat sah den wohl mit EPO bis unter die Hutschnur vollgepumpten Fluschi mit einer sagenhaften Glückssträhne,die in ihre Gemeinheit dann nur noch durch die aufgeblähten Schlafsäcke unserer völlig erschöpften Helden übertroffen wurde. Frage:Warum heisst es eigentlich schwedische Gardinen?

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Sonnabend, 23.06.2007

„Halt’s Maul, bleib locker ... hier kommt der Chefrocker!“ (Svante 2007)

Alle so um 10 aufgestanden – Svante als letzter. Das kann ich schreiben, denn ich bin Svante. Ja. Derjenige, der an diesem Tag als letzter aufgestanden ist. Gefrühstückt, denn die Jungs haben gestern schon für Brötchen gesorgt, was ganz gut war, denn die Wanderung zum Supermarkt macht man lieber selten als oft, besonders morgens. Ziel des Tages war es, in die Scheeren – oder eben Skärgården – zu fahren. Ein bisschen Natur zu erleben und Schiff fahren. Daraus wurde, wie es sich herausstellte, nichts. Dafür hat es aber den ganzen Tag geschifft. (Wortspiel) Da sich Svante eigentlich gar nicht in Skärgården auskennt, und nur selten da war, wollte er vermeiden, entweder auf so einen öde Insel zu gelangen, wo nur einen Steg, Fichten und Steine sind. Das ist auf dauer langweilig, auch wenn viele Zecken da sind, denn sie sind meist nicht besonders freundlich; antworten nicht einmal wenn angesprochen. Solche Insle gibt’s viele. Das will man nicht. Andererseits gibt es auch solche Insel, wo es nur ein Steg, Fichten, Steine und teure Restaurants gibt. Insgesamt will man nicht auf solche Inseln gelangen. Besonders als es immer unklar ist, wann das nächste Boot kommt, und man zurückfahren kann in das midsommerlich lebendige Stockholm. Weil man manchmal nicht zurückkommt bekommt man Hunger, muss essen, und die Preisen des überteurerten Restaurants gedulden. Das will man auch nicht. Als Lösung wurde Vaxholm vorgeschlagen. Das ist eine Stadt nordöstlich von Stockholm. Da gibt es mehrere Restaurants, und weil man dahin sogar per Bus fahren kann, steht immer die Alternative, nicht im überteurten Restaurant zu essen, sonder in der lebendigen Weltmetropole Stockholm – Beauty on Water.

Per U-Bahn und Bus zum Nybrohafen. Da der Bus aber nicht hielt, fuhren wir zu weit und verpassten das Boot. Ich – Svante – telefonierte und blieb unheimlich locker, und der Bus fuhr einfach weiter. Da ich nicht wusste, wo die Haltestellen sind, dachte ich, das sollte so sein. Sollte es aber entschieden nicht. Fast am Djurgårdsbron, am Vasamuseum, stiegen wir aus. Beim zurücklatschen begegneten wir das Boot, das gerade richtung Vaxholm fuhr. Das war nicht gut. Das war schlecht. Denn im Gegensatz zum vorigen Tag waren wir quasi die einzigen, die Boot fahren wollten. Ganz Stockholm – alle die nicht Lahm oder Tod sind – waren schon fort. Wir erkundigten uns bei Charlotte, eine Ticketverkäuferin, und statt Vaxholm sind wir mit dem nächsten Boot nach Fjäderholmarna gefahren. Die Jungs waren von der ausgedehnten 20-Minuten-Reise begeistert! Ich natürlich auch, denn obwohl ich seit 6 Jahren Stockholmer bin, war ich nie dort. Fjäderholmarna, obwohl im Plural (holme=kleiner Insel; holmar=kleine Insel; und für den ganz Neugierigen: holmarna=die kleinen Inseln. Genug Schwedischunterricht für heute.) sind ein paar Insel, per Fähre erreicht man aber nur einen. Als wir ankamen regnete es. Man kan Fjäderholmarna als ein Kondenzat von dem Stockholmer Skärgården betrachten. Es gibt Fichten. Es gibt Steine. Bestimmt Zecken auch. Es gibt schlechte und teure Cafés. Es gibt teure Restaurants. Das einzige, was nicht ganz zum Bild passt, ist, dass man relativ zügig davonfahren kann. Das ist ein Vorteil den wir bald benutzen wurden. Da haben wir aber auch ALLES gesehen. Die teuren Restaurants, die teuren und schlechten Cafés, Werkstätten jeglicher Art, sowie auch Seevögel, die auf stolzen ehemaligen schwedischen Befestigungen gekackt haben. Sehr schamlose Vögel. Es regnete. Nach einer kurzen Überlegung der finanziellen Lage wurde entschieden, in der Stadt zu essen. Kungshallama am Hötorget, von mir als Platz der Möglichkeiten gepriesen, hatte, wie viele andere Restaurants an diesem Tag nach Midsommar zu. Sonst kann man dort ziemlich preiswert essen, und vor allem kann sich jeder aussuchen, was er will, und trotzem zusammen essen. Es ist wie ein Speisesaal, und drumherum unterschiedliche Restaurants. Mexikanisch, Pizza, öööh, öööh, und andere sachen stehen dort als Angebot. Viele Jugendlichen kommen dahin und fressen dort ihr ganzes Wochengeld auf, und trinken dazu Cola und bewegen sich zu wenig und werden Fett und tragen zur Ungesundheit der westlichen Welt bei. Wir wollten davon ein Teil werden. Hatte aber eben zu. Das kann jetzt schon gesagt werden – Stockholm hat zu Midsommar zu. Ganz Stockholm.

Die Ausnahme, auf der immer Verlass ist, sind natürlich die Chinesen. Bloss hatt der Chinese, bei dem wir gegessen haben, kein Alkohol zu verkaufen. Das kann mal passieren, wenn der Zustand dafür eingezogen wird. Dafür hatten sie aber gestreckten O-Saft. Dagegen gibt es keine Regel. Es regnete. Die Stimmung war schwer zu verbergen, und nicht ganz top. Die Jungs brauchten Bier. Also gingen wir – jetzt war es so um 16.30 – Drottninggatan richtung Söder. In der schlimmsten Touristenkneipe, über die Svante schon immer gedacht hatte, da würde er niemals eintreten, wurde Bier – teures Bier – getrunken. Laune: steigend. Die Bedienung war eine nett anzusehende Frau mit rosigen Wangen und Tätowierungen an den Oberarmen. Nichtsahnend haben wir das dänische Bier genossen, als sich die skandinavische Völkerfreundschaft in übelster Weise bemerkbar machte. Eine Finnin, so um die 50, hat uns zugesülzt, und uns die Geschichte ihres Lebens, mit wenigen Einschränkungen, mitgeteilt. Ihr Freund war auch Finne. Wenn Pit nicht beinahe eingeschlafen wäre, hätte er ein bisschen mehr über die Geschichte Finnlands lernen können. Als das Bier ausgetrunken war, retteten wir uns erfreut auf die regnerische Straße. Pit kaufte T-Shirts, wir standen auf Drottninggatan mit 1.000.000 Touristen und Svante fühlte sich wie in einem fremden Land. Svante brauchte Bier. Durch die Altstadt per Fuß zum Debaser, wo gerade Rock-A-Billyabend war. Wir saßen draußen – im Regen – und tranken Bier. Ein Einkauf im Konsum Götgatsbacken und per U-bahn ab nach Hause. Dort hat sich ein multikultureller Abend entwickelt. Draussen sehr schwedischer Nieselregen, drinnen Cuba Libre – und deutscher Schummelmax, was für mich etwas ganz neues war. Erst hat Fluschi einen Siegeszug gehabt. Svante erlebte ein Kribbeln als auch er einmal gewann. Dann hat Schieke ziemlich alles Abgeräumt. Schliesslich hat Pit gewonnen. Es wurde ein paar von den Frühstücksbrötchen gegessen, Svante ging ins Bett, und die Jungs setzten ihr Skatspiel fort. Insgesamt ein Tag von unsagbaren Erfolgen geprägt.

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Sonntag, 24.06.2007, Abreise

Abschied ist ein scharfes Schwert. Unser Kurztrip im menschenleeren Stockholm endet heute. Die Stadt hat ca. 1,5 Millionen Einwohner, mindestens 80% davon sind zurzeit auf dem Land und feiern immer noch Midsommar. Aus der Lokalpresse erfahren wir vom gestrigen Erstrunden UI-Cup Spiel der Hammars gegen eine Mannschaft von den Färöer Inseln (Endstand 1:0). Zu gerne wären wir unter den 1.633 Zuschauern gewesen, stattdessen mussten wir in der verregneten Innenstadt die königliche Familie besuchen, billiges Bier mit witzigen Finnen trinken und und und…Beim gemeinsamen Frühstück erklingen mehrmals provokante Hammarbüüü-Hammarbüüü-Hammarbüüü Fangesänge. Der Gastgeber kann die Gemüter jedoch beruhigen und verschenkt an die Krakeler grüne und weiße Fantassen. Das Wetter wird besser, die Wolkendecke reißt auf. Wir brechen gemächlich die Zelte ab und Svante begleitet uns zu den T-Centralen. Am Busbahnhof rauchen wir noch Eine und verabschieden uns voneinander. 1000 Dank für alles Svante. Du bist jederzeit bei uns willkommen. Hau rein Schwede. Und falls Dir irgendeiner irgendwie irgendwo irgendwann mal so richtig blöd kommen sollte, dann weißt Du ja aus Faserland welcher verbale Konter garantiert ins Schwarze trifft.

Die Busfahrt verläuft problemlos und wir dösen so vor uns hin. Am Flughafen verprassen wir die letzten Kronen für Sandwichs, Obstsäfte, T-Shirts, Schokolade und andere Süßigkeiten. Pit besorgt am Zeitungskiosk noch ein Revolverblatt. In der Rubrik Reiseratgeber werden 6 Deutsche Fluggesellschaften auf Herz und Nieren geprüft, u.a. auch unsere Airline, die mit dem befriedigenden Urteil „Hektische Sitzplatzwahl“ auf Platz 5 abschließt. Als uns die junge Stewardess Johanna, die mit ihrem Tuch und viel Rouge den Knutschfleck (oder etwa doch am Schrank gestoßen?) an ihrem Hals kaschiert, beim Vorbeigehen mit ihren wahnsinnig hübschen braunen Augen auf den Artikel aufmerksam macht bejahen wir nur kurz und knapp, diesen gelesen zu haben. Nach einem genaueren Blick geht uns 3 Ex-Schweden dann aber doch noch ein Licht auf. Johanna ist in diesem Artikel die Titelheldin und wird demnächst einen lukrativen Model- und Werbevertrag bekommen. Auf Nachfrage bei ihr ist sie wohl heimlich von miesen schmierigen Reportern abgelichtet worden. Ich reiße den Artikel raus und bewahre ihn für diesen Reisebericht und die Ewigkeit auf. Kurze Zeit später landen wir und nehmen den Regionalexpress bis zum Alexanderplatz und später die Straßenbahn in unseren Kiez. Im Yolanda riecht es nach einer Hochzeitsfeier vom Vortag, wir trinken gemeinsam noch etwas und trollen uns dann nach Hause.

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Leserkommentare

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Benny von Abba aus Stockholm

benny(at)abba.se

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Tuesday, 03-07-07 08:51
Hej Kinder,
hätte ich gewusst, dass eins meine 165 unehelichen Kinder in der Stadt ist, wäre ich doch niemals aufs Land gefahren. Dann hätte ich euch den Kontakt zur Prinzessin Madleine hergestellt und einer von euch wäre nun auf den besten Weg adlig zu werden. Na ja, so sende ich euch eine signierte Single von unseren vielen Nummer 1 Hits.
Hej do, euer Benny.

Benny von Abba aus Stockholm

benny(at)abba.se

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Monday, 02-07-07 08:29
Mensch Jungs, hätte ich gewußt, dass mein Sohn kommt, hätte ich meine Midsommar - Flucht aus Stockholm verschoben und ich hätte euch reich verheiraten können. Na ja, Pech für euch. Aber der Bericht top, genauso wie unsere Erfolgshits in den 70ern, womit wir so viel Schotter gemacht haben, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Hej do, Euer Benny!

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