Unser Resort lag in unmittelbarer Nähe zu Bophut, einem verschlafenen Fischerdorf im Norden der Insel, direkt am Strand. Anfang Dezember ist noch Vorsaison auf Ko Samui, darum war unsere Anlage nur zu einem Drittel belegt, was wir sehr entspannend fanden. Im Gegensatz zu Thailands Norden lag hier die Lufttemperatur Tag und Nacht permanent bei etwa 30 Grad Celsius, so dass man immer in Schlüppern rumlaufen konnte.
Wir mieteten für die nächsten Tage zwei Motorroller (ca.5 €/Tag) und machten uns daran, unser kleines Paradies zu erkunden. Die Insel strotzt nur so vor üppiger, tropischer Vegetation und wurde von Mutter Natur mit sehenswerten Dingen, wie Wasserfällen, traumhaften Meeresbuchten und allerlei Getier reichlich beschenkt. Man kann Ko Samui mit dem Moped locker an einem Tag umrunden; der Barkeeper unseres Hotels, genannt "A", bot sich dabei als Guide an. Zum Dank dafür luden wir ihn am nächsten Abend zu einem Ausflug zur Nachbarinsel Ko Phangan ein. Hier findet jeden Monat zu Vollmond die legendäre "Full-Moon-Party" statt, zu der Party-People aus der ganzen Welt anreisen, und wir wollten dabeisein. Am Hat Rin Beach, dem schönsten Strand der Insel, tobten an diesem Abend ca. 7000 Raver, Durchgeknallte, Junkies und andere feierwütige Leute unterm Vollmond zu guter Musik, die ordentlich in die Beine ging. Alle waren glatt oder stoned oder beides; den Stoff dazu gab’s überall und zu einem Bruchteil dessen, was er in der Heimat kostet. Unsere Mädels wurden fortwährend angequatscht von halbnackten Kerlen aus Portugal, Kanada, Israel, Norwegen und wo die sonst noch so herkamen. Neben uns lagen zwei Japaner in ihrer Kotze, die Massen pissten erst ins Meer und gingen dann darin baden; es war herrlich. Das war die schönste Party, die wir je erlebt hatten, und es war mit Sicherheit nicht das letzte Mal, dass wir dabei waren.
Die nächsten Tage verliefen eher gemächlich, Sonnenbäder und Massagen am Strand wechselten sich ab mit Wakeboardfahren und Einkaufsbummeln am Chaweng-Beach, der touristischen Hochburg Ko Samuis. Das Wetter ließ jetzt etwas zu wünschen übrig; der Ostmonsun, der im Dezember noch das Wetter im Golf von Siam beherrscht, zeigte immer öfter, was er so drauf hat. Heftigste Regenschauer mit extremen Winden peitschten kurzzeitig über die Insel und setzten alles unter Wasser. Die Pfützen auf den Straßen, wenn man sie überhaupt noch so nennen kann, waren teilweise 200 Meter lang und bis zu einem halben Meter tief, Gehwege wurden unpassierbar und unser Ausflug zum Taucherparadies Ko Tao fiel buchstäblich ins Wasser. Das Meer war extrem aufgewühlt und trübe, die Wellen waren bis zu 5 Meter hoch und die zweistündige Bootsfahrt nach Ko Tao erschien uns als Höllentrip. Doch all das konnte unsere Stimmung nur unwesentlich trüben, denn Ko Tao und vor allem deren Nachbaratoll Ko Nangyuan waren paradiesischer als alles, was wir bis dahin gesehen hatten. Ko Nangyuan besteht aus drei kleinen Inselchen, welche durch Sandbänke miteinander verbunden sind; es gibt nur ein Hotel dort, das seine dazugehörigen Bungalows über diese Inseln verstreut hat. Um von der Hotellobby, die aus einer offenen Säulenhalle besteht, zu den Bungalows zu gelangen, muß man durch etwa knietiefes Wasser waten. Das Meer ringsherum ist so blau und klar, dass einem beim Anblick der Mund offen stehen bleibt (Falls es Taucher oder Schnorchler unter den Lesern gibt, die da mal hin wollen, schreibt ’ne Mail, ich hab ein Prospekt mitgebracht).
Eigentlich wollten wir nicht mehr nach Deutschland zurück, aber wir hatten das Rückflugticket schon bezahlt. Also nahmen wir schweren Herzens Abschied vom Paradies und machten uns am 15. Dezember 2003 wieder auf den Heimweg. Der Rückweg wurde fast zur Odyssee, denn der Flug ging über Bangkok, Oman, Bahrein und Frankfurt nach Berlin und dauerte 30 Stunden. Ab Frankfurt musste ich alle 10-15 Minuten kotzen und scheißen, weil ich im Flieger irgendwelchen orientalischen Schlangenfraß zu mir genommen hatte.
Wir schafften es trotzdem, bei -3 Grad relativ wohlbehalten zu Hause anzukommen und die nächsten Tage und Wochen ohne Erkältung in Deutschland zu überleben.
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