Tunesien - Literarischer Ausflug

23.12.1999

Was mache ich eigentlich in Tunesien?

24.12.1999

Heute ist Mittwoch, der erste Tag nach unserem Ausflug in den Süden. Jochen und Barbara, die beiden Tempelhofer vom Flughafen, haben ein Auto gemietet. Wir haben uns (zu meinen Gunsten) die Kosten geteilt. Morgen fliegen die Beiden zurück. Nach einer relativ kurzen Fahrt durch die wechselhafte tunesische Landschaft erreichten wir Kairouan (nicht Kairo und nicht Kantaoui!!!). In Kairouan wurden wir von einem zuvorkommenden Motorradfahrer (vermutlich Teppichhändler) freundlich darauf hingewiesen, dass sich die Medina (Altstadt) in der anderen Richtung befindet. Nach einer kurzen Exkursion in die finsteren Ecken der Stadt (immer der Sonne nach) kamen wir zur Medina und der nahegelegenen Moschee, der einzigen, die von Nichtmoslems in Tunesien betreten werden darf. Der Eintritt war jedoch zu hoch und so landeten wir dann doch zum Kaffeetrinken beim Teppichhändler. Vom Dach des Hauses hatten wir einen guten Einblick in die Moschee. Es wurde uns gezeigt, wie Teppiche geknüpft werden und Barbara sollte sich sogar zu der Frau dazusetzen. Die Mosaiken im Haus gefielen mir gut und das gilt auch für die Teppiche. Weiter ging die Reise in Richtung Süden, immer der Sonne hinterher. Nach einer schier endlosen Fahrt durch die Steppenlandschaft Tunesiens erreichten wir Gabes mit dem wunderschönen Fischerhafen und den verdreckten Gassen ringsum. Der Renault-Mann zeigte uns den Weg. Weiter geht es nach Matmata. Die Vegetation verändert sich, das Land wird hügeliger und die Pflanzen immer weniger. Die Landschaft erinnert an den Mars oder Mond. Der Boden hat Risse und Löcher und zeigt sich in rötlichem Gewand. Mich erinnert es an Bilder, die ich über den Grand Canyon gesehen habe, einzelne Gesteinsschichten sind in den Felsen zu sehen. Endlich sind wir in Matmata. Hotel suchen, spazieren gehen, Höhlenwohnungen anschauen und den Sonnenuntergang genießen. Der hat sich auch echt gelohnt, die Sonne verschwand langsam hinter den Bergen und tauchte die futuristische Landschaft in ein unwirkliches, rötliches Licht. In Matmata suchten wir ein arabisches Kaffee auf und tranken Tee, Kaffe und rauchten die traditionelle "Schischah". Am nächsten Morgen weckte mich der Sänger auf dem Minarett.

27.12.1999

Hammamet-Medina: Es ist wie ich es mir vorgestellt habe. Dennoch ist es anders selbst durch die schmalen Gassen zu laufen und die durch die Architektur hervorgerufene Kühle zu erfahren. Es gab nur wenige Plätze, an denen die Sonne den Boden berührt. Auf dem Weg am Strand entlang zur Alt-Stadt traf ich Nizar, einen 25 Jahre alten Doc, der gerade seine "Spezialisierungsprüfungen" hinter sich gebracht hat. Mit ihm bin ich um 15:00 Uhr verabredet. Ich weiß noch nicht genau, was er vorhat. Er stand am Strand und blickte etwas desorientiert drein, als warte er auf jemanden. Ich war beim Muschelsammeln und so blieb genug Zeit für eine Entscheidung. Er sprach mich an, Nizar macht hier 4 Tage Urlaub. Ich ging also zur Medina, kein Geld in den Taschen; ließ mir das Haus des Sultans zeigen und wurde gleich daraufhin zu einem Geschäft geführt. Die gehen echt davon aus, dass wir Touristen alle Geld dabei haben, das es keine armen Menschen bei uns gibt. Einer war sehr ehrlich zu mir. Der Kameltreiber auf dem Rückweg sagte klar: "Schau! in dein Herz, wir müssen auch von etwas leben." Und auch den Perlenmann traf ich wieder. Er begrüßt mich als seinen Sohn. Auch das Wetter ist gut, die Sonne schien bis jetzt, im Gegensatz zu gestern, wo sie sich nur am Nachmittag für zwei bis drei Stunden hinter den Wolken hervorwagte. Auf dem "Hauptplatz" in der Medina grinst mich ein Jugendlicher an, die Augen rot. Er führt mich in sein Geschäft. Trotz meiner Beteuerung, kein Geld zu haben, fing er an, mit mir zu handeln...Tabak... Wir sind bei 10 Dinaren + 1 Cola für 2 Päckchen, die ich ihm morgen bezahlen werde. "Handeln und kein Geld!" Peinlich...

29.12.1999

Ich stand gleich auf, weil ich den Sonnenaufgang beobachten wollte. Da hatte ich die Chance die Venus und ein paar Sterne zu sehen. Gleich nach dem Frühstück machten wir uns auf die Socken. Die ganze Zeit habe ich darauf gewartet, das sich die Sahara mal zeigt, aber Pustekuchen: nur Gebirgsvegetation und Steppe, dann Palmenhaine und Douz (12). Tanken in Douz: Einheimische einladen und dann direkt nach Kebili (Super sans plomb). Der "Douz"-ianer kaufte in den Souks (Markt) zwei Mützen für seine Kinder. Nachdem wir ihn in Douz wieder abgesetzt hatten machten wir noch ein paar Einkäufe und wechselten Geld. Weiter geht es nach Faroui (oder so ähnlich). Dann endlich Wüste.

30.12.1999

Dünen und so weit das Auge reicht Sand. Wir fuhren vorbei an der Touristik-Attraktion Kamel und hielten erst im Landesinneren. Was ist so faszinierend an der Stille in der Wüste? Wir stiegen aus und hätte mich Jochen nicht zurückgehalten, wäre ich noch weiter durch den Sand gelaufen. Hinterher gleich ein paar Kinder aus dem nahen Palmenhain. Es läuft sich merkwürdig, der Sand gibt nach und manchmal bleiben mehr als 20cm tiefe Fußabdrücke zurück. Über den "Patzer" im Ort mit der Festung will ich hier nicht schreiben, aber die unartigen Steinwerfer-Kids, die davon liefen wie aufgeschreckte Kaninchen, als Jochen wendete, sollen hier mal am Rande genannt werden. Wir sind dann weiter Richtung Kebili und kommen an eine Kreuzung: Links und rechts asphaltierte Straße, geradeaus Kebili. Runter vom Weg durch die Steppe von der Sahara und dem nahen Salzsee geprägt. Manchmal wirkt das Salz als wäre es Schnee, doch dafür war es dann doch irgendwie zu warm. Hier standen ein paar Steine herum und es lag Sand auf dem Weg, also wieder zurück. Zur Verständigung wird in der Gegend oft in den Sand gemalt und so fanden wir dann auch unseren Weg zum "Chott el Jerid", dem großen Salzsee in Tunesien. Hier in Tunesien ist gerade Ramadan, so dass die meisten Kaffees tagsüber geschlossen sind, dafür werden Amethysten verkauft. Und so geht es zurück, immer geradeaus, 300km nur geradeaus, kaum mal eine Abzweigung und nur Steppe. Da wurde mir erst klar, warum Douz als Oase gilt. Wir waren rechtzeitig zum Essen zurück.

31.12.1999

Der Tag, an dem die Zahl sich ändert. Noch kommt mir alles vor wie eine große, künstliche Show. Die ganzen Fragen, die gestellt werden und der Drang, etwas Besonderes zu unternehmen. Es ist ein Jahrhundertwechsel, doch ich kann mir leider nichts darunter vorstellen. Vielleicht wäre es leichter, wenn ich mir vorstelle, seit wann der Mensch die Tage und Jahre zählt und was sich seither geändert hat. Das Universum sah den Einen, der uns eine andere Religion gab, es hat etliche Kriege und Kreuzzüge gesehen, die Verfolgung Andersdenkender und die Verbrennung der Hexen. Die Inquisition, die Eroberung des amerikanischen Kontinent, Habsucht und Gier. Das Universum sah die Versklavung der Afrikaner, die Gründung von Australien, den Aufstieg und Fall von Russland. Auch sah die Welt Tod und Elend durch Pest und Cholera. Und der Mensch forscht und entwickelt pausenlos weiter. Enorme Fortschritte in Medizin und Technologie wurden gemacht und das alte Wissen fast vollständig ausgelöscht. Auf welche Geschichte blickt China zurück, Jugoslawien oder der Orient? Ägypten und die Expansion des römisch- katholischen Reich sollte nicht außer Acht gelassen werden. Alchemie - Chemie - Physik - Mathematik und Elektrizität, das "Solve et Coagula" und die Entwicklung des Computers.

01.01.2000

Mitten in der Nacht.

Frohes neues Jahr euch allen im fernen Berlin und dir Micha.

Wie Man(n) sieht, werden die Eintragungen immer kürzer und die Abstände immer länger; ein deutlicher Hinweis darauf, dass weniger passiert und sich Langeweile breitmacht. Ich habe mich hier wieder stark in mich selbst zurückgezogen und schwer mit der Unerträglichkeit des Seins zu kämpfen. Jochen hat Recht behalten, wenn die weg sind, wird es wohl langweiliger werden. Gestern waren auf dem Silvesterevent zwei kleine Jungs. Der Tanz der beiden Jungen hatte etwas schamanenhaftes an sich. Gestern Abend hatte ich Kopfschmerzen. Es sind einige krank, ich glaube sie haben ähnlich wie ich den kalten Wind in den ersten Tagen unterschätzt. Der Tochter von Ingo geht es offensichtlich gut, sie hat sich eine Kopfverletzung zugezogen. Der Vorabend des Abflugs von Jochen und Barbara ist ebenfalls erwähnenswert, sie haben mich vollständig ruiniert, d.h. Jochen und Ingo. Voll guter Dinge suchten wir ein türkisches Kaffe auf, um Wasserpfeife zu rauchen. Da saßen wir nun, der Wein entfaltete so langsam seine Wirkung in mir und die Realität wich vor mir zurück. Ingo schmeckte die Pfeife nicht und so rauchten Jochen und ich. Wir sprachen darüber, ob wir hier eine Wasserpfeife würden kaufen können. Jochen und Ingo steigerten sich da derart hinein und waren in der stetigen Bemühung, mir so ein Ding anzudrehen. Mit Erfolg! :-) Sie scheint wohl gut zu mir zu passen. So wurde ich weitere 35 Dinare los und muss jetzt sehen, wie ich mich über Wasser halte. Auf jeden Fall bleibt der Abend so in Erinnerung.

 

Euer Usko

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Fotos:

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Leserkommentare

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Bert
  Wednesday, 21-01-04 10:43
Der Bericht ist völlig abgefahren und ich musste öfter herzlich schmunzeln (auch über die Sprünge in der Erzählweise).
Du bist jetzt in den Kreis der Redakteure aufgenommen. Herzlichen Glückwunsch.

Schamane 9000
  Wednesday, 21-01-04 04:57
Na endlich mal auch ein bischen Abwechslung auf Eurer Seite, wobei ich damit nicht sagen will, dass die anderen Berichte langweilig sind.

Frage an den Verfasser: War das ein Afrika- oder Drogentrip?

Gruss

Schamane 9000